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Das Problem der Standfestigkeit hoher Böschungen im Rheinischen Braunkohlenrevier.

Dolezalek, B.; Düro, F.

Kurzfassung

Mit der zunehmenden Tiefe der Tagebaue wächst die Sorge um die Standfestigkeit der Böschungen. Je genauer die naturgegebenen ungünstigsten Verhältnisse in jedem Abbaustadium erfaßt werden, desto zutreffender kann die Standsicherheit zukünftiger Böschungen beurteilt werden. Aus diesem Grunde müssen die bodenmechanischen und erdstatischen Ermittlungen im Zusammenhang mit den geologischen und hydrologischen Verhältnissen betrachtet werden. Bei den geologischen Untersuchungen sind geneigte Schichten, Verwerfungszonen und ehemalige Erosionsflächen zu beachten, besonders dann, wenn diese zum Tagebau hin einfallen. Desgleichen ist die Kenntnis der Klüfte und des tieferen Untergrundes wichtig. Außerdem sind Rutschungen in Lockergesteinen zu studieren, um die Faktoren, welche die Standsicherheit herabsetzen, kennenzulernen. Auf bodenmechanischem Gebiet sind die Kennwerte der einzelnen Bodenschichten, im besonderen auch der Kohle und der Grenzflächen zu ermitteln. Aus den Ergebnissen von Grenzflächenuntersuchungen (Ton/Sand, Ton/Kohle, Ton/Ton usw.) ging hervor, daß die Grenzflächenreibung cG mit Vernässung stark zurückgeht und die Grenzflächenkohäsion cG oft sehr gering ist. Bei der erdstatischen Auswertung müssen in den Berechnungsansätzen die natürlichen Bedingungen berücksichtigt werden. Hieraus folgt, daß die Untersuchungen mit Gleitkreisen in den geschichteten, inhomogenen Ablagerungen der Tagebaue oft nicht anwendbar sind. Bei diesem Fall kommen kombinierte Gleitflächen (Kreise und Ebenen bzw. verschiedene Ebenen) in Frage. An vier Beispielen aus den Tagebauen Fortuna, Zukunft-West und Inden wurde gezeigt, daß Böschungsbewegungen unter den verschiedenartigsten Bedingungen eintreten können und daß die Faktoren, welche Rutschungen auslösen, sehr vielseitig sind. Die Standsicherheit hoher Böschungen hängt somit von vielen Einzelproblemen ab, für die es Patentlösungen nicht gibt. Notwendig ist eine enge Zusammenarbeit von Geologen, Bodenmechanikern und Bergingenieuren, um den vielfältigen Problemen dieses Grenzgebietes näherzukommen. Zu danken ist dem Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen für die Bereitstellung finanzieller Mittel zu diesen Arbeiten und der Braunkohlenindustrie für das gezeigte Verständnis und die bereitwillige Unterstützung der Untersuchungen. Eine ausführliche Arbeit über dieses Thema ist im Heft 6, 1962 der Zeitschrift Braunkohle, Wärme und Energie, Düsseldorf, erschienen.