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Formänderungen von Böden unter Belastung

Neuber, H.

Kurzfassung

In der Wortbildung Ingenieurgeologie bezieht sich der vordere Teil fast ausschließlich auf den ältesten Zweig der Ingenieurwissenschaften, nämlich die Mechanik. Die mechanischen Eigenschaften von Lockergesteinen sind für viele Probleme des Bauwesens (z. B. Gründungen, Tunnelbauten, Erddämme) und des Bergbaus (z. B. Schächte und Tagebauböschungen), aber auch für geologische Vorgänge von ausschlaggebender Bedeutung, und zwar wegen der verhältnismäßig großen Verformbarkeit und geringen Schubfestigkeit dieser Materialien. - Andererseits ist die gegenseitige Abhängigkeit von Spannungs- und Formänderungen wegen des komplizierten, nur statistisch erfaßbaren Aufbaus und der großen Vielfalt der Gesteinsarten noch keineswegs soweit erforscht, daß alle auftauchenden Fragen befriedigend gelöst werden können. Hier kann unter Beschränkung auf statische bzw. quasistatische Vorgänge nur ein kurzer Überblick der Probleme gegeben werden. Bei der Untersuchung von Lockergesteinen kann man sich oft mit Vorteil einiger Begriffe der Kontinuums-Mechanik bedienen, wie es auch hier einleitend schon geschehen ist. In den angenommenen Eigenschaften eines solchen Ersatz-Kontinuums muß allerdings berücksichtigt werden, daß die Lockergesteine aus sehr vielen Einzelkörnern bestehen, die verhältnismäßig leicht gegeneinander verschoben werden können. Dieses Problem konnte bisher, jedenfalls für kompliziertere Fälle, noch nicht gelöst werden. Trotzdem sind die gedanklichen Werkzeuge der Kontinuums-Mechanik (Spannung und Deformation) zur Beschreibung der makroskopisch zu beobachtenden Vorgänge sehr nützlich und sollen deshalb zunächst kurz geschildert werden.