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Felsmechanik - ein Forschungszweig der Tektonik und der Technik; Kurzbericht über das Zwölfte Kolloquium der Internationalen Arbeitsgemeinschaft für Geomechanik am 19. und 20. Oktober 1961 in Salzburg.

Schmidt-Thomé, P.

Kurzfassung

Seit ihrer Gründung vor nunmehr zehn Jahren, die auf die Initiative von L. MÜLLER, Salzburg, zurückgeht, hat die Internationale Arbeitsgemeinschaft für Geomechanik in Salzburg alljährlich mindestens einmal ein Kolloquium über Fragen aus dem Grenzgebiet der Geologie, Mechanik und Ingenieurwissenschaften abgehalten. Die Organisation und Durchführung lag stets in Händen von L. MÜLLER, zuletzt gemeinsam mit F. PACHER, Salzburg. Der fruchtbare Gedankenaustausch über ein Grenzgebiet dieser, in der Praxis einander begegnender Nachbardisziplinen erfreut sich einer von Jahr zu Jahr wachsenden Zahl von interessierten Teilnehmern aus Geologen- und Ingenieurkreisen. Seit Jahren betont L. MÜLLER, daß die Felsmechanik als eine der vordringlichsten Grundlagen für viele praktische Aufgaben der Geologie und Ingenieurwissenschaften zu betrachten ist. Felsmechanik muß als gleichwertig und gleichwichtig neben die Bodenmechanik gestellt werden, so schwierig sich auch eine Konzeption für sie aufstellen läßt. Dies ist kürzlich durch L. MÜLLER (Geologie und Bauwesen 27, S. 1 ff., Wien 1961) geschehen. Er hat dabei betont, daß der naturgegebene Felsuntergrund nicht nur von dem, in der Natur ohnedies niemals verwirklichten, Idealzustand eines homogenen und "isotropen", kleinen Versuchskörpers aus zu betrachten ist; der Gebirgsuntergrund, mit welchem der Geologe und Ingenieur zu tun hat, ist vielmehr "anisotrop". Die Felsmechanik ist eine Mechanik des Diskontinuums. Sie muß die Trennungsflächen (Schichtfugen, Kluftfugen = "Flächengefüge") mindestens ebenso berücksichtigen wie die Gesteinsfestigkeit. Darum wird der Begriff der Festigkeit des Felsuntergrundes im Großverband zu einer Restfestigkeit, welche durch die Teilbeweglichkeit einer Vielzahl von einzelnen Teilkörpern bestimmt ist. Der kaum jemals fehlende Porenwasser-Gehalt macht den Felsuntergrund zu einem Zweiphasen-System.