Original paper

Über die Entstehung oberflächenparalleler Klüfte - Versuch einer geomechanischen Erklärung

Müller, L.

Kurzfassung

Für den größeren Teil oberflächenparalleler Klüfte im Fels ist eine Entstehung nach der Oberflächengestaltung anzunehmen (KIESLINGER). Nach einer Reihe von Beobachtungen scheint die Annahme berechtigt zu sein, daß hinter steilen Felswänden im Gebirge, besonders auch in Gebirgsschluchten, eine Spannungsverteilung vorherrscht, wie sie sich in ähnlicher Weise auch hinter den Ulmen unterirdischer Hohlräume findet. Für ein Gebirge, das zum Kriechen, Fließen oder Bruchfließen fähig ist (viskoplastisches Gebirge), läßt sich eine mechanische Deutung der oberflächenparallelen Klüfte geben. In einem solchen Gebirge pflegt in etwa vertikaltangentialer Richtung in einigem Abstand hinter der Felswand eine Spannungsspitze aufzutreten. Das muß Zugspannungen quer zur Wand im Gefolge haben, da vor und hinter dieser Fläche tangentialer Spannungsspitzen ein exzentrischer Druck herrscht, welcher die inneren Gesteinsplatten nach innen drückt, die äußeren dagegen nach außen abzudrücken strebt. Bei Überschreitung der Zugfestigkeit des Gebirges entstehen Klüfte parallel zur Oberfläche oder auch nur eine erhöhte Spaltbarkeit parallel zu ihr. Beides ist ingenieurgeologisch, insbesondere für den Talsperrenbau, von großer Bedeutung.