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Über Randtröge vor Schollenrändern und ihre Bedeutung im Gebiet der Mitteleuropäischen Senke und angrenzender Gebiete

Voigt, Ehrhard

Kurzfassung

A. Zusammenfassung An einer Reihe von Beispielen wird dargestellt, daß größere Sedimentationsbecken häufig älteren Massiven oder Schollenrändern vorgelagert sind. Dabei können die ehemaligen Hochschollen infolge späterer Bewegungsumkehr heute tief versenkt liegen, während umgekehrt die Trogachsen unter Dislokations- und Faltungserscheinungen emporgewölbt sind. So ist das große paläozoische Massiv, das aus der Rheinischen Masse mit den Ardennen und dem nach England hinüberziehenden Brabanter Massiv besteht, an seiner Peripherie von einer Anzahl von Trögen umgeben, in denen besonders Jura (Dogger und Malm) und untere Kreide in mächtigerer Folge abgelagert wurden als in seiner weiteren Umgebung. Hierher gehört der Weald - Trog mit dem Hampshire-Becken, der im Pays de Bray emporgewölbte Trog, das Westniederländische Becken und das Niedersächsische Becken, das der im Münsterland tiefversenkten Rheinischen Masse vorgelagert ist. Alle diese Tröge sind, wie beim Weald und Pays de Bray schon lange bekannt, heute emporgewölbt (Inversion), gegenüber ihrer Umgebung herausgehoben und teilweise abgetragen; z. T. sind sie allerdings später wieder abgesunken wie das Westniederländische Becken. Sehr bezeichnend ist die Anlage neuer, hier als "subsequent" bezeichneter Vortiefen-artiger Tröge und Becken neben den invertierten ehemaligen Trögen (z. B. Londoner Alttertiärbecken über der von Kreide bedeckten alten Londoner Plattform). Beim Niedersächsischen Becken hat anscheinend die Nordwestfälisch-Lippische Schwelle die Inversion des Troges übernommen, während in der Oberkreide über dem Gebiet der POMPECKJschen Schwelle und der jetzt versenkten Rheinischen Masse neue subsequente Becken einsanken. In ausgezeichneter Weise offenbart sich das Randtrog-Phänomen am Beispiel der Dänisch-Polnischen Furche (W. POZARYSKI 1957), die den Schollenrand der Skandinavisch-Russischen Tafel begleitet und in der jüngeren Oberkreide durch Inversion zur Aufwölbung der vorwiegend aus Jura und Unterkreide bestehenden Tempelburger Achse (= Pommersch-Kujawisches Antiklinorium) mit neuen subsequenten Kreide- und Tertiärtrögen führt. Als kleinere Randtröge sind u. a. die dem Harz im NE vorgelagerte Subherzyne Kreidemulde und die Altmärkische Kreidesenke vor dem Flechtinger Höhenzug bzw. dem Mitteldeutschen Hauptabbruch aufzufassen, während die unter der nordalpinen Molasse begrabene Ostbayrische Kreidebucht mit der Regensburger Kreide und dem NNW streichenden Frankenjura in einer Senke liegt, die durch den SW-Rand der Böhmischen Masse vorgezeichnet ist. Wenn auch Einzelfälle dieser Art bereits bekannt sind, so wurde hier der Versuch unternommen, das Gesamtphänomen in seiner allgemeinen Bedeutung für die Paläogeographie und Tektonik herauszustellen. Der hier nur am Rande erwähnte, naheliegende Vergleich mit den Geosynklinalen ergibt, daß trotz der Unterschiede in den Größenverhältnissen doch wohl beiden dieselben Ursachen zugrunde liegen. Die bei den Randtrögen als "Miniaturgeosynklinalen" zu beobachtenden Erscheinungen können bei der Erforschung der Orogene wesentliche Hinweise geben.