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Die Kreide von Lüneburg und die Aufschürfung des Alb-Profiles im Kreidebruch am Zeltberg

Schmid, Friedrich

Kurzfassung

Die Exkursion der Deutschen Geologischen Gesellschaft wurde am 6. September 1961 auf eine ältere, relativ hoch gelegene Abbausohle im Westteil des Zeltbergbruches der Lüneburger Düngekalkwerke (PIEPER & BLUNCK) geführt und hatte von hier einen guten Überblick über die gesamte Schichtfolge des Steinbruches am Zeltberg, wie er in Abb. 1 skizziert ist. Das hier erschlossene Oberkreideprofil umfaßt mit einer Gesamtmächtigkeit von ca. 425 m (HEINZ 1926, 1928) vom Cenoman bis in das Untere Untermaastricht alle Stufen und Unterstufen. Durch die Sedimentation in Salzstocknähe sind die Schichten teilweise reduziert und tektonisch stark zerstückelt worden. Die Klärung dieser recht komplizierten Verhältnisse verdanken wir mehreren Arbeiten von R. HEINZ (1926, 1928). Die Aufschlußverhältnisse haben sich inzwischen wesentlich verschlechtert. Heute sind große Profilstücke durch städtischen Schutt, durch Abraum und durch Hangrutsch unzugänglich. So sind die Profile im Obercenoman, Unterturon und im Unteren Obercampan nicht mehr aufgeschlossen. Erst in allerjüngster Zeit ist durch eine grabenartige, breite Vertiefung der Abbausohle das Coniac (mit den beiden dunkelgrauen "Sapropel-Schichten") und auch das Santon wieder der Untersuchung zugänglich gemacht worden. Es konnten erneut wichtige Leitfossilien, wie Gonioteuthis westfalica (SCHLÜTER), Gonioteuthis quadrata (BLAINVILLE), Uintacrinus westfalicus SCHLÜTER und auch Marsupites testudinarius SCHLOTHEIM neben den entsprechenden Inoceramen gefunden werden. Marsupites testudinarius konnte relativ häufig in wohlerhaltenen, noch zusammenhängenden Kelchen geborgen werden. Das direkt links an die Skizze (Abb. 1) im Norden des Steinbruchteiches anschließende Obercampan und Untere Untermaastricht ist im Anschluß an JELETZKY (1951) von F. SCHMID megapaläontologisch und von HILTERMANN & KOCH mikropaläontologisch in einer Gemeinschaftsarbeit speziell untersucht worden (1955). Die Oberkreide besteht in Lüneburg vorwiegend aus hellen Kalken und Kalkmergeln. Nur untergeordnet treten dunkler gefärbte Mergelkalke und Tonmergel im Unteren und Mittleren Cenoman, im Unterturon, im obersten Campan und im Unteren Maastricht auf. Im Unterturon sind außerdem in mehr oder weniger geringmächtiger Folge rötliche, grünliche und schwärzliche Sedimente vertreten, wie sie sich mit einigen Abweichungen im gesamten Nordwestdeutschland nachweisen lassen. Im Coniac treten im Bereich der involutus-Schichten des Coniac 2 schwärzliche "Sapropel-Schichten" auf. Die untere ist wenige cm, die obere dagegen ...