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Petrographie des erdgashöffigen Hauptdolomits im Zechstein 2 zwischen Weser und Ems

Quester, Helmut

Kurzfassung

Zusammenfassung An der primären Gesteinsbildung der erdgashöffigen Schwellenfazies des Hauptdolomits am Nordrand des Flachschelfes zwischen Weser und Ems sind zwei Hauptkomponenten beteiligt: 1. Pseudoolithische, oft unregelmäßig gestaltete und meist bis zu 1 mm große Gebilde, die von mehreren Autoren als Algen gedeutet wurden. 2. Kugelige karbonatische Kristallaggregate (Aggregatkörner) mit einem Durchmesser von 0,05-0,15 mm, die in gleicher Form als rezente anorganische Bildungen von den Bahama-Bänken bekannt sind. Die Deutung der Pseudooide als Algen konnte durch Vergleich mit Wachstumsformen von Algen des tertiären Lithothamnienkalkes erhärtet werden. Ein paläontologisch begründeter Algennachweis ist jedoch nicht zu erbringen, da die erforderlichen Bestimmungsmerkmale fehlen. Das ursprünglich kalkige Sediment liegt in primärer Ausbildung im gesamten Untersuchungsgebiet nicht mehr vor. Es wurde unter Erhaltung der Algen- und Aggregatkörnerstrukturen völlig kryptokristallin dolomitisiert und bietet in diesem Zustand den Ausgangspunkt für die mikroskopische Untersuchung der durch Sammelkristallisation, Rekalzitisierung, Redolomitisierung und Anhydritisierung gekennzeichneten weiteren diagenetischen Entwicklung. Die Rekalzitisierung geht von zerklüfteten Störungszonen aus, über die an der Wende Kreide/Tertiär im Zusammenhang mit Vererzungen Kalzitlösungen zugeführt wurden. Anhydritisierungen konzentrieren sich auf den tieferen und höheren Teil der zwischen Werra- und Basalanhydrit eingelagerten Hauptdolomitfolge. Die Festlegung der stratigraphischen Grenze Hauptdolomit/Basalanhydrit wird in mehreren Bohrungen durch Anhydritisierungsvorgänge erschwert. Die Gesteinstypen des kryptokristallinen und mikrokristallinen Dolomits sind mit charakteristischen gesteinsphysikalischen Eigenschaften potentielle Erdgasspeichergesteine, deren Porosität und Durchlässigkeit durch Rekalzitisierung und Anhydritisierung ungünstig beeinflußt werden.