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Künstliche "Süßwasser-Barriere" gegen Grundwasserverseuchung durch Meerwasser

Einsele, Gerhard

Kurzfassung

Vorbemerkung: An der nordamerikanischen Pazifikküste sind seit einigen Jahren neuartige Versuche im Gang, das Eindringen von Meerwasser in einen übermäßig beanspruchten küstennahen Grundwasserspeicher zu unterbinden. Da die Ergebnisse dieser Arbeiten fast nur in hierzulande schwer zugänglichen Fachzeitschriften veröffentlicht werden, erschien es mir lohnend, darüber kurz zu berichten. Die dort gewonnenen Erfahrungen können für die Planung und Überwachung der Grundwasserentnahme aus anderen Küstengebieten sehr wertvoll sein. Bevor der Küstenstreifen des südlichen Kalifornien stark besiedelt und industrialisiert wurde, konnte man dort überall einen gegen das Meer hin abfallenden Grundwasserspiegel beobachten. Das Süßwasser floß unterirdisch gegen das Meer hin ab und trat an der Küste oder gelegentlich flach unter dem Meeresspiegel in Quellen aus. Aber schon im Jahre 1905 wurde im Raum von Los Angeles ein Absinken des Grundwasserspiegels bemerkt, das nicht durch fehlende Niederschläge, sondern durch zu starke Entnahme von Grundwasser aus Tierbrunnen bedingt war. Im Jahre 1933 führte das jahrelange, zu starke Abpumpen von Wasser aus dem Untergrund zu einem gegen das Land gerichteten Gefälle des Grundwasserspiegels, und dieser sank an einer Stelle 8 m tief unter den Meeresspiegel. Diese Entwicklung dauerte solange an, bis schließlich im Jahre 1950 der Grundwasserspiegel an einigen Stellen des Küstenstreifens 12-15 m, im Extrem bis 30 m tiefer als die Meeresoberfläche lag. Dies führte dazu, daß eine vom Meer aus landwärts gerichtete Grundwasserbewegung eintrat und Meerwasser in den Untergrund des Küstenstreifens nachströmte. Die Folge davon war eine Verseuchung des Süßwassers durch Meersalze. Eine Reihe von Brunnen für die Wasserversorgung der Stadt, die über 1 km von der Küste entfernt lagen, mußten wegen Versalzung aufgegeben werden. Abb. 1 zeigt die Gebiete längs der Küste von Kalifornien, an denen eine derartige Meerwasser-Intrusion sicher nachgewiesen ist. Bei einer Reihe weiterer grundwasserführender Stellen besteht der Verdacht, daß auch hier diese gefährliche Entwicklung bereits eingesetzt hat. Im Anfangsstadium fällt der Grundwasserspiegel während und nach den Winterregen noch zum Meer hin, im niederschlagsarmen Sommer mit hohem Wasserverbrauch wird er dagegen unter den Meeresspiegel abgesenkt.