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Das Auelehm-Problem in geobotanischer Sicht

Leschik, G.

Kurzfassung

Zur Klärung der Bildungsbedingungen der post- und spätglazialen Auelehme wurden, besonders von geographischer Seite, in den letzten Jahren zunehmend "anthropogene" Deutungen in den Vordergrund gestellt. Zu dieser Frage wurden Auelehme der mittleren Saar (bei Saarbrücken und Dillingen) und des Oberrheintales (bei Pfungstadt) mit geobotanischen Untersuchungsmethoden bearbeitet. Mikrobotanisch und auch petrographisch lassen sich Überschwemmungs- und Verlandungslehme unterscheiden. Erstere sind ungeschichtet und fossilarm; sie besitzen überwiegend ein gröberes Korn (> 0,1 mm). Letztere haben ein feineres Korn (unter 0,1 mm), sind fossilreich und können geschichtet und ungeschichtet sein. Als Ausgangsgesteine kommen hier in Frage: Löß, Lößlehm, Muschelkalk und Buntsandstein. In den ungeschichteten Verlandungslehmen kommt in erster Linie die Lufttrübe zum Absatz, in Schichten mit Wechsellagerung (Lehm-Sand) auch die Flußtrübe, soweit Altwässer und wassergefüllte Becken periodisch überschwemmt wurden. Der Polleninhalt gestattet eine zeitliche Einstufung auch der Überschwemmungslehme, in die Verlandungslehme linsenartig eingeschaltet sind. Auelehmbildungen sind im gesamten Post- und Spätglazial möglich; Zeiten mit verstärkter Auelehmbildung scheinen das Subboreal (älterer Lehm) und die jüngere Phase des Subatlantikums (jüngerer Auelehm im frühen Mittelalter) zu sein. Im älteren Subatlantikum (La Téne-Zeit) ist trotz nachgewiesener erhöhter Siedlungstätigkeit kein Überschwemmungslehm vorhanden, statt dessen herrscht Torfbildung vor. Im frühen Mittelalter werden die Torfschichten aber öfter überschwemmt. Das läßt den Schluß zu, daß die Bildung des älteren Auelehm nicht "anthropogen" gedeutet werden kann und daß im frühen Mittelalter eine Verstärkung der Lehmbildung infolge der umfassenden Siedlungstätigkeit nicht auszuschließen ist. Die entscheidenden Voraussetzungen für die Auelehmbildung sind aber geologische, tektonische und morphologische und ferner klimatische und hydrologische Faktoren.