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Untersuchungen über die Wandstrukturen der Graptolithen (mit Hilfe des Elektronenmikroskops) (Mit 1 Abbildung)

Kraatz, R.

Kurzfassung

Sehr selten wurde bisher das Elektronenmikroskop eingesetzt, um unsere Kenntnisse von der Struktur der Fossilien zu erweitern. Von den verschiedenen Möglichkeiten elektronenmikroskopischer Untersuchungsmethoden wurden im Vortrag Bilder von Präparaten gezeigt, die in Plexiglas eingebettet und mit dem Ultramikrotom geschnitten worden sind. Auf ihren Feinbau wurden Bestandteile der Graptolithenkolonie untersucht, und zwar 1. die Theken, 2. die Sicula, 3. die Virgula. Durch lichtmikroskopische Untersuchungen ist schon lange bekannt, daß am Aufbau von Siculae und Theken zwei "Grundbausteine" beteiligt sind (Schema bei BULMAN 1955, Fig. 6/1), nämlich 1. das (innere) Halbringgewebe (die sog. Fuselli), 2. das (äußere) Rindengewebe (Lamellen- oder Cortexgewebe). KRAFT (1926, Taf. 16) zeigt in 284facher Vergrößerung die Außenansicht einer Theke von Diplograptus sp. Zwar ist die Alternation der Fuselli zur Zickzacknaht gut zu erkennen; doch enthalten solche Bilder keine ausreichenden Informationen über die reale Struktur dieses Halbringgewebes. Eigene lichtmikroskopische Präparate von Monograptus-Theken - eingebettet in Plexiglas und längs geschnitten - bieten zwar in der Zickzacknaht dasselbe wie KRAFTS Figuren; darüber hinaus jedoch zeigt sich im Hinblick auf den inneren Aufbau des Halbringgewebes: das schlierige Aussehen des Thekenbaustoffes zwischen den Anwachsstreifen läßt schon bei mäßiger Vergrößerung (x 100) strukturelle Unterschiede ahnen. Der Blick in das Elektronenmikroskop bestätigte dann die Erwartungen; denn unter seiner höheren Auflösung zeigten gerade diese Zonen die verschiedenartigen Strukturen des Halbringgewebes der Theken: a) Zonen untereinander orientierten Materials, meist fadenartiger Natur; b) zwischen diesen Zonen Gebiete ungeordneten Materials, im Bild meist punktförmig erscheinend; c) unregelmäßig verteilte Räume ohne erhalten gebliebenes Material; d) schmale Partien regellosen Materials innerhalb der Zonen b, durch feinst verteilten Stoff im Schnittpräparat als Bänder erscheinend, die auf einen schichtförmigen Aufbau hindeuten.