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Die Ruinen von Great-Simbabwe (Süd-Rhodesien) und das Goldland Ophir

Kukuk, P.

Kurzfassung

Obwohl der lange Jahrhunderte dunkle und starre Kontinent Afrika heute im hellen Licht der Weltöffentlichkeit und politischer Entwicklung steht, harren doch noch überaus zahlreiche Fragen geologischer, historischer, völkerkundlicher, wirtschaftlicher, kultureller und politischer Natur des gewaltigen Landes einer endgültigen Lösung. Zu diesen Problemen gehört auch die Frage nach Alter, Erbauer und Zweck der südrhodesischen, ebenso berühmten wie immer noch rätselhaften Ruinen von Great-Simbabwe und ihre Beziehungen zu dem mystischen Goldlande Ophir. Auf einer Exkursion des Intern. Geologen-Kongresses in Pretoria im Jahre 1929 bot sich Gelegenheit, diese Ruinen kennenzulernen. Seit 1870 auch den Europäern bekannt, sind diese rhodesischen Kulturbauten immer weiter erforscht worden. Dabei stellte sich heraus, daß die Ansichten der verschiedenen Bearbeiter bis vor kurzem sich noch sehr widersprachen. Wollten die einen die Ruinen auf vorgeschichtliche landfremde Erbauer zurückführen, sahen die andern sie als Ergebnisse mittelalterlicher Baukunst der einheimischen Bevölkerung an. Aus den Ergebnissen der vielen Untersuchungen dürfte heute mit einiger Sicherheit hervorgehen, daß das Gebiet der Ruinen von Simbabwe gewissermaßen das Verteilungszentrum eines bedeutenden Goldgewinnungsbezirks (Ophir) war, in dem zu den verschiedensten, bis tief in das Altertum zurückgehenden Zeiten auf die dortigen zahlreichen, im archaischen Grundgebirge aufsetzenden hydrothermalen Golderzgänge in Form goldführender Quarzriffe und Imprägnationslagerstätten ein erheblicher, primitiver Goldbergbau betrieben wurde. Höchstwahrscheinlich waren die heutigen Bantus, die angeblich erst nach 900 nach Chr. bis zum Limpopo vorgedrungen waren, nicht die Erbauer dieser Ruinen. Haben doch die erst kürzlich erfolgten Feststellungen des Alters dieser Bauten durch die Radio-Karbonmethode ergeben, daß der Tempel frühestens im Jahre 471 n. Chr. und spätestens 711 n. Chr. errichtet wurde. Zudem darf als sicher angenommen werden, daß das Volk der Bantus zu einer so bedeutenden Aufgabe, wie die Erbauung eines Tempels und einer Akropolis, nicht fähig war. So sehen auch die eigenen Schriftsteller der Bantus ihre Vorfahren nicht als Erbauer der Ruinen an. Vermutlich dürfte es sich in den alten Bergleuten des Ophirbezirks um ein wenige Jahrhunderte n. Chr. eingewandertes Kolonialvolk aus dem erythräischen Raum gehandelt haben, zumal die Vorgänger der Bantus keine Neger, sondern Menschen mit gelber Gesichtsfarbe und langen schwarzen Haaren gewesen sein sollen. Sicher waren die Erbauer gute Architekten mit hohem Intellekt. Das bezeugen u. a. auch die architektonisch reizvoll ausgeführten Treppen zu den Eingängen des Tempels und der Akropolis sowie die Schmuckleisten der großen Rundmauer. Auch landfremd müssen die Erbauer gewesen sein, da ja der Neger nie behauene Steine oder Ziegel benutzt hat. Im Gegensatz zu den früher geäußerten Ansichten sind also die Tempelbauten weder sehr alt noch sehr jung. Jedenfalls dürfte die endgültige Klärung der vielen Fragen um Simbabwe einen wichtigen Beitrag zur Lösung des Gesamtproblems Afrika liefern. Ist doch schon heute, politisch gesehen, der Wille Afrikas entscheidend für das Schicksal der Welt.