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Geologische Beobachtungen am Stevn's Klint (Dänemark) und am Engabree-Gletscher (Svartisen, Norwegen)

Wolansky, D.

Kurzfassung

Anläßlich des XXI. Internationalen Geologenkongresses in Kopenhagen 1960 wurden zahlreiche Exkursionen durchgeführt, von denen die eine in den Bereich der dänischen Kreide an der Ostküste der Insel Seeland, die andere nach Nordnorwegen führte. Unter der Führung von Professor Dr. A. ROSENKRANTZ, Kopenhagen, wurde der klassische Aufschluß des Stevn's Klint besucht. Hier ist die Grenze Maastrichtien-Danien in eindrucksvoller Weise im Kliff des 19 m hohen Steilufers offengelegt. Über feuersteinführender Schreibkreide und Bryozoenkreide des Maastrichtien folgt eine zentimeterdünne Lage von schwärzlichem "Fischschiefer" nebst Linsen von zellig-löcherigem "Cerithiumkalk", die beide schon zum Danien gehören. Sehr eindrucksvoll ist der darüber lagernde, infolge seiner Härte in halber Höhe des Steilufers weit vorspringende, dickbankige "Bryozoenkalk" des Danien mit Feuersteinbändern. Mit großen Blöcken gespickter Geschiebemergel schließt den sehr lehrreichen Schichtenschnitt nach oben ab. Während der Schiffsexkursion nach Nordnorwegen unter Führung von Professor Dr. Olaf HOLTEDAHL, Oslo, wurde u. a. der Holandsfjord mit dem Engabree am Vergletscherungsgebiet des Svartisen, etwa in Höhe des Polarkreises gelegen, besucht. Durch einen bemerkenswert starken Eisrückzug seit den 20er Jahren ist heute vor der Front des früher bis in den Fjord hineinreichenden Gletschers eine abgeschliffene, kuppige Grundgebirgsfläche von etwa 1 km2 freigelegt, auf der in eindrucksvoller Form eng gefaltetes, metamorphes Caledonikum zutage tritt. In quer zur Gletscherfront verlaufendem Streichen wechseln Granitgneise, Glimmerschiefer, Amphibolite, Peridotite, kristalline Kalke, Granatgneise und Kalksilikatgneise miteinander ab, oft querschlägig von breiten Quarzgängen durchsetzt. Die Verschiedenfarbigkeit dieser Gesteinsbänder ergibt ein dankbares Objekt für Farbaufnahmen. Die verschiedenen Moränenwälle sowie der vorgelagerte Schmelzwassersee nebst seiner natürlichen Abdämmung gegen den Fjord hin boten vielerlei Möglichkeiten zum Studium der Eisrandlagen seit dem Jahre 1725. Auch die Eisabbrüche an der Stirn des Gletschers beim Ausnuß des Gletscherbaches boten ein sehr eindrucksvolles Bild.