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Wirtschaftsgeologie und Zukunft der Kohle

Stach, E.

Kurzfassung

Wirtschaftsgeologie beruht auf einer Verknüpfung von geologischen Tatsachen mit wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Art und Mächtigkeit des Deckgebirges z.B. spielt sowohl im Braunkohlen- wie auch im Steinkohlen-Bergbau eine bedeutende Rolle für die Wirtschaftlichkeit der Kohlengewinnung. Von der Flözmächtigkeit hängt die Förderleistung sehr ab. Diese Tatsache ist von K. OBERSTE-BRINK (1951) und H. E. RISSER (1958) in Diagrammen veranschaulicht worden. Die sehr unterschiedlichen Förderteufen und mittleren Flözmächtigkeiten einiger großer Kohlenlagerstätten sind von KRIPPENDORF (1951) in einer schematischen Darstellung miteinander verglichen worden. Von entscheidendem Einfluß auf die Wirtschaftlichkeit einer Kohlenlagerstätte ist ihre Tektonik. In dieser Hinsicht sind z. B. die nordamerikanischen Kohlenlagerstätten mit ihrer vielfach ausgesprochen flachen Lagerung in geringer Teufe sehr bevorzugt gegenüber den europäischen Steinkohlenlagern mit ihrer mehr oder weniger intensiven und verwickelten Tektonik. An dem Vergleich dieser beiden Beispiele wird klar, daß Rationalisierung und Automation nicht in allen Kohlenlagerstätten den gleichen Wirkungsgrad erreichen können. Hier setzen der geologische Bau der Lagerstätte und ihre Tektonik den Rationalisierungs-Bemühungen eine Grenze. Maschineller Abbau und Automation sind weit besser möglich bei ungestörter flacher Lagerung als bei steilstehenden verworfenen Flözen. Es hat also aus geologischen Gründen nicht jedes Kohlengebiet die gleichgroße Möglichkeit der Rationalisierung. Das wichtigste Charakteristikum einer Kohle ist neben dem Aschengehalt ihr Inkohlungsgrad. Vom Inkohlungsgrad hängt der Wert und Verwendungszweck der Kohle ab. Der Inkohlungsgrad entscheidet darüber, ob eine Kohle für die Koksherstellung zur Eisen- und Stahl-Erzeugung geeignet ist. Ferner hängen manche wirtschaftlich wichtigen Kohlen-Eigenschaften von der petrographischen Zusammensetzung ab. Bezüglich der wirtschaftlichen Bedeutung der Kohle in der Zukunft kann gesagt werden, daß in der nächsten Zeit mit einem Ersatz der Kohlen-Energie durch die Atom-Energie nicht gerechnet werden muß. Es wird geschätzt, daß 1975 höchstens 5% des Gesamt-Energieaufkommens von der Atomenergie geliefert werden können. Es ist durchaus möglich, daß die Sonnen-Energie einmal unmittelbar von Menschen ausgenutzt werden wird. Was den Wettbewerbskampf zwischen Kohle und Erdöl und Erdgas anbelangt, so läßt sich die Ansicht vertreten, daß zu Ende des Jahrhunderts mit einer Abnahme der Öl- und Gas-Vorräte gerechnet werden muß, so daß eine Energie-Vorratslücke flüssiger und gasförmiger Brennstoffe entstehen wird, die durch Verflüssigung und Vergasung der Kohlen wird geschlossen werden müssen. Die Lebensdauer der Öl- und Gas-Vorräte wird nach Jahrzehnten, die der Kohlenvorräte nach Jahrhunderten bemessen. Eine Schonung und pflegliche Behandlung der Vorräte der Energie-Rohstoffe ist geboten.