Original paper

Eine Trümmererzlagerstätte im Ober-Santon bei Borken (Westf.) und ihre paläogeographische Deutung

Arens, H.

Kurzfassung

Bei Kartierungsarbeiten für die Übersichtskarte von Nordrhein-Westfalen 1:100 000, Großblatt C 4306 Recklinghausen, wurden von der Verfasserin Reste einer Trümmererzlagerstätte in der sandigen Fazies des Obersantons = Santon 4 (Halterner Sand) gefunden. Der überwiegende Teil dieser Lagerstätte ist zwar weitgehend durch Abtragungsvorgänge im Quartär vernichtet worden, doch läßt sich der Ablagerungsraum rekonstruieren. Eine Gesamtfläche von etwa 100 km2 im westlichen Teil des Verbreitungsgebietes der Halterner Sand-Fazies ist als sicher anzusehen. Das Hauptvorkommen liegt im Bereich der Berge nordöstlich Borken. Auf der Kuppe des Lünsberges ist das einzige heute noch anstehende Erz, ein Rest von 2,5-3 m Mächtigkeit und 80-100 m2 Ausdehnung, zu finden. Im Bereich der übrigen Fundstellen sind nur noch verschieden große Brocken von Trümmererz an der Oberfläche zu beobachten, die zwar im Verbreitungsgebiet gebildet, aber durch kryoturbate Vorgänge aus ihrem ursprünglichen Schichtverband herausgelöst worden sind. Sie überdecken heute das Gebiet im wesentlichen als Bestandteil der periglazialen Fließerden, wobei mit einer horizontalen Verlagerung, wie sie durch die Schuttwanderung entsprechend der Morphologie gegeben ist, gerechnet werden muß. Sowohl das anstehende Erz als auch die zahlreichen Brocken im westlichen Teil der Berge bei Borken bestehen zum größten Teil aus gut abgerollten Toneisensteingeröllen, die im Durchschnitt eine Größe von 1-1,5 cm haben, zum Teil bis zu 5 cm erreichen. Das Zwischenmittel ist im wesentlichen Mittel- bis Grobsand, der in seiner Korngrößenzusammensetzung den Halterner Sanden entspricht. Toneisensteingerölle und Zwischenmittel sind durch gelöstes und später wieder ausgefälltes Eisenhydroxyd miteinander verkittet. Die röntgenographische Untersuchung ermittelte für das Trümmererz einen Gehalt von 60% Goethit und den Rest als Quarz und wenig Tonminerale. Die chemische Analyse erbrachte 43% Eisen und 0,93% Phosphorsäure. Die Basis der Trümmererzlagerstätte wird von einer sehr zahl- und artenreichen Fossilbank eingenommen, deren Faunenzusammensetzung eindeutig für Santon 4 spricht.