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Stratigraphisch-Petrographische Fragen im tiefen Kulm des Westharzes

Jordan, H.

Kurzfassung

Die petrographischen und feinstratigraphischen Untersuchungen wurden durchgeführt im Rahmen einer Neukartierung des Nebenzuges Lattenbusch-Schönenberg (Westteil) am Oberharzer Diabaszug (Blatt Osterode). Durch einen 165 m langen Schurf, einen alten Stollen und zahlreiche selbst angelegte Schürflöcher konnte ein praktisch lückenloses Profil durch den Diabas-Nebenzug gewonnen werden. Aus diesem Profil werden kurz die devonischen Schichten aufgeführt: 40 m hier bisher unbekannte Büdesheimer Schiefer (Oberdevon I). 120 m mächtig die Blattersteinzone (Givet mit drei aufeinanderfolgenden Eruptionsphasen und den schiefrig ausgebildeten und deshalb nur gering vererzten Stringocephalenschichten). Insg. 80 m mächtige Wissenbacher Schiefer (Oberes Eifel) in z. T. typisch kurzlinsiger Form mit dem in sie eingedrungenen Intrusivdiabas. Der Diabastuffit der Blattersteinzone kann nach dem mikroskopischen Befund nicht als Schalstein im Sinne von H.-J. LIPPERT (1953) bezeichnet werden und ist kein Weilburgitmiktit im Sinne von E. LEHMANN (1941). Der unterkarbonische Fleckendiabas ist 60 m mächtig und enthält insg. 8 m linsige bis lagige Sedimenteinlagerungen; und zwar Büdesheimer Schiefer, 2 m milde, grauschwarze Tonschiefer, die zum liegenden grauen Teil der Cypridinenschiefer (höheres Oberdevon) gehören könnten, und 2 m frühkulmische Alaunschiefer. Die Linsen sind vom Diabas im Hangenden und Liegenden kontaktmetamorph verändert, adinolisiert worden, ebenso die liegendsten 15 cm der auf dem Diabas auflagernden frühkulmischen Alaunschiefer. Damit ist bewiesen, daß der Fleckendiabas ganz kurz nach der Wende Oberdevon/Kulm subeffusiv in die obersten Sedimentlagen eingedrungen ist, und zwar (auch nach anderen Merkmalen) in einem einzigen Erguß. Der Diabas ist klein- bis mittelkörnig und ophitisch. Er besteht zu 40-45% aus Plagioklas, und zwar teils Albit (An 2-An 10), teils Labradorit (An 55-An 65), zu durchschnittlich 3% aus Augit, und aus den pneumatolytischen Umsetzungsprodukten Chlorit (Delessit, 30 bis 50%) und Calcit (10%). Das Nebeneinander von Albit und Labradorit, was hier für den Diabaszug erstmalig festgestellt wurde, sowie der Umstand, daß mit Zunahme an Augit die Sekundärmineralien Chlorit und Calcit abnehmen und die Plagioklase basisch sind, lassen sich einwandfrei durch Spilitisierung (autometamorphe Albitisierung) im Sinne von DEWEY & FLETT (1911) erklären. Teilweise ist in der pneumatolytischen Phase statt Chlorit Roteisen und freie Kieselsäure (Chalzedon) entstanden; der Diabas ist dann dunkelrot gepunktet.