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Die Würmeiszeit im nördlichen Alpenvorland

Germann, R.

Kurzfassung

Im vergangenen Sommer konnte der Vortragende dank der Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft das Quartär des nördlichen Alpenvorlandes zwischen Genf und Wien untersuchen. Das Ziel der Arbeit war, die stark divergierenden Ansichten über die Gliederung der einzelnen Vorlandgletscher zu revidieren und das Gebiet unter einheitlichen Gesichtspunkten zu bearbeiten. - Von den umfangreichen Ergebnissen wurden zwei Sachgebiete herausgegriffen: 1. Das Problem der überfahrenen Würmendmoränen (EBERL, KNAUER). In fast allen Vorlandgletscherbereichen war folgende Sedimentationsabfolge festzustellen (vom Hangenden ins Liegende): (1) Kamesbildungen, (2) Grundmoräne, (3) Vorstoßschotter, (4) Kamesbildungen, (5) Grundmoräne, (6) Vorstoßschotter. In den Aufschlüssen fehlt meist mindestens ein Glied der Serie, häufig fehlen sogar mehrere Glieder. Oft ist z. B. nur Schicht (2) und (4) erhalten. - Diese (doppelte) Sedimentationsabfolge beweist, daß das Eis über die untersuchte Stelle zweimal hinweggegangen ist. Da Verwitterungshorizonte fehlen und da z. B, an der Rhone die Interglazialschichten unter Schicht (6) liegen, müssen alle Ablagerungen in die letzte Eiszeit gestellt werden. - Das Vorkommen von zwei übereinanderliegenden Moränen (z. B. Dettenhofen beim Ammersee, Arare bei Genf) ist auf Oszillation des Eisrandes bzw. auf Einmündung eines Seitengletschers zurückzuführen (petrographischer Nachweis). - Können lokale Faktoren nicht zur Erklärung des Vorkommens zweier Grundmoränen herangezogen werden, ist eine genaue Zuordnung zu einer Bildungszeit (innerhalb der Würmeiszeit) schwierig.