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Säugerreste aus der obermiozänen Kieselgur von Beuern/Vogelsberg

Tobien, H.

Kurzfassung

Die Kieselgurlagerstätte von Beuern (12 km nö. Gießen, SCHENK 1950) gehört zu den altbekannten Fossilvorkommen im Bereich des Vogelsberg-Vulkanes. Samen, Früchte, Blätter und Pollen sind vor allem von dort bekannt, ferner Wirbeltierreste, wie Krokodile, Frösche, Molche, Larven hiervon und Fische. Als Alter ergab sich hiernach - besonders anhand der Pflanzen, Pollen und Fische - teils Obermiozän (KIRCHHEIMER 1937: 116, WEITZEL 1932: 99), teils Mittelmiozän (KREMP 1950). Säugerreste, die zur Präzisierung der Altersstellung der Kieselgur und ihrer Deckschichten ebenfalls beitragen können, waren von Beuern seither nicht bekannt. Nach dem letzten Kriege wurden jedoch zwei Funde getätigt, welche die Liste der Vertebraten erweitern und stratigraphisch von Belang sind; 1947 wurden bei einer Exkursion des geol.-paläontolog. Institutes der Univ. Mainz Teile eines Dorcatherium-Skelettes, und zwar Reste der Extremitäten gesammelt. Der Fund stammt, nach dem anhaftenden Gestein, aus der Kieselgur selbst. 1952 fand Dr. SCHENK-HUNGEN in den tonigen Deckschichten ein Geweihbruchstück des Hirschartigen Heteroprox. Der geweihlose Zwerghirsch Dorcatherium gehört nach den Dimensionen zur Spezies D. crassum, die in Europa vom Mittelmiozän (Helvetium) bis zum Unterpliozän (Pontium) verbreitet war. Das Gabelgeweih des mit den heutigen Muntjac-Hirschen verwandten Heteroprox zeigt eine Verbreiterung des hinteren Gabelastes, die auf eine Tendenz zur Entwicklung einer 3. Geweihsprosse hinweist. Derartige massive Heteroprox-Geweihe sind vor allem aus dem europäischen Obermiozän (Sansan, Reisensburg bei Augsburg) bekannt. Darnach engt sich das Alter von Beuern auf Obermiozän (Tortonium/Sarmatium) ein. Pontium ist wegen des Vorkommens von Krokodilen, die zu dieser Zeit aus Mitteleuropa offenbar schon verschwunden waren, unwahrscheinlich. Damit werden die bisherigen Datierungen, die für Beuern ein obermiozänes Alter ergeben haben, bestätigt und ergänzt.