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Der gegenwärtige Stand der geologisch-physikalischen Zeitmessung

Villwock, R.

Kurzfassung

Die Methoden der geologisch-physikalischen Zeitmessung, insbesondere die der radioaktiven Altersbestimmung, sind in den letzten 10 Jahren derart verfeinert und durchgebildet worden, daß sie nun den Geologen und Petrologen als ausgereiftes Werkzeug zur Anwendung übergeben werden können. Während die Physiker und Physikochemiker damit beschäftigt sein werden, die Verfahren der radioaktiven Zeitbestimmung weiter zu entwickeln, fällt den Geowissenschaftlern die Aufgabe zu, sich in größerem Ausmaße als bisher mit den Methoden der Massenspektroskopie, der Isotopenchemie, der Neutronenaktivierung u. a. vertraut zu machen und jene Tausende von Routinemessungen durchzuführen, die zur Vervollständigung und Verdichtung der gegenwärtig bestehenden geochronologischen Zeitskala und zu ihrer exakten Korrelation mit der geologischen Gliederung sowie zur Klärung einer Unzahl geologisch-genetischer Probleme notwendig sind. Es war daher die Zielsetzung des Vortrages, aus der kaum noch zu überblickenden Fülle der vorliegenden Literatur, unter Verwendung zahlreicher unveröffentlichter Untersuchungsergebnisse, einen umfassenden Überblick über den gegenwärtigen Stand der absoluten Zeitmessung zu geben. Dabei wurden die wichtigsten Methoden, ihre Anwendbarkeit, Fehlerquellen und Problematik, die Bedeutung und Art der Probeentnahme, die wichtigsten systematischen Arbeitsprogramme in den USA, in Europa, Australien, Afrika und der Antarktis sowie die neuesten geochronologischen Zeitskalen behandelt. Im Mittelpunkt des Vortrages standen die Rb/Sr- und die K/Ar-Verfahren, deren methodische Probleme erst in jüngster Zeit gelöst werden konnten. Besondere Bedeutung erlangte die K/Ar-Methode durch ihre Anwendungsbreite, vor allem jedoch dadurch, daß mit ihrer Hilfe die Zeitlücke geschlossen werden kann, die bisher wegen der begrenzten zeitlichen Aussagemöglichkeit der C14-Methode auf der einen Seite (nur anwendbar bis zu Altem von max. 70 000 Jahren) und den U/Th-Pb- und Rb-Sr-Methoden auf der anderen bestand.