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Mikropaläontologisch-stratigraphische Untersuchungen im Kreideflysch zwischen Deva und Zumaya (Prov. Guipuzcoa, Nordspanien)

Herm, Dietrich

Kurzfassung

Zusammenfassung Im Profil entlang der Meeresküste zwischen Deva und Zumaya wird Oberalb in küstennaher, lagunärer Fazies nachgewiesen. Die hellen Mergelkalke der Landspitze von Aichuri gehören dem Unterturon - (?) Unterconiac an. Die mächtige Flyschsedimentfolge E der Störung von Aichuri bis Zumaya kann mit Hilfe der dem Hangenden zu reicher werdenden Foraminiferenfaunen ins Campan und Maastricht eingestuft werden; dabei entfallen auf das Campan 1.110 m (die Gltr. calcarata-Zone umfaßt allein 100 m). Das Untermaastricht ist 685 m mächtig, im Gegensatz zu nur 140 m Obermaastricht. Im Untermaastricht treten starke Sandschüttungen auf, während im Obermaastricht eine mergelig-kalkige Sedimentation vorherrscht. Die Maastricht-Paleozän-Grenze kann im unmittelbar Liegenden der grauen und rötlichen, gutgebankten Kalke, die die Punta San Telmo aufbauen, fixiert werden. An Hand der reichen Populationen von Globotruncanen kann im Obercampan und Untermaastricht der Übergang von zweikieligen zu einkieligen Formen in der Entwicklungsreihe Gltr. coronata - thalmanni - flexuosa - bollii und die weitere Aufspaltung in den Gltr. stuarti und Gltr. rosetta Formkreis beobachtet werden. Die verschiedenen Entwicklungsstufen dieser Reihe können zur Stratigraphie herangezogen werden. Gltr. calcarata läßt sich aus dem Gltr. stuarti-Stamm ableiten. Der an der Maastricht/Paleozän-Grenze bei den planktonischen Foraminiferen auftretende scharfe Faunenschnitt ist bei den benthonischen Elementen nicht festzustellen. Die meisten der im Paleozän vorherrschenden benthonischen Arten treten bereits im oberen Maastricht auf. Im obersten Maastricht konnten sehr kleine (0 unter 0,1 mm), typisch paleozäne Globigerinen gefunden werden. Im paläontologischen Teil wird eine neue Sandschalerart, Flourensina contorta n. sp., aus dem Oberalb beschrieben. Aus dem großen Formkreis der Globotruncana linneiana wird eine typische Form, die stratigraphisch auf das Obercampan und Untermaastricht begrenzt ist, als Globotruncana linneiana obliqua n. ssp. ausgeschieden. Bolivina incrassata incrassata REUSS ist bis in die obersten Proben des Maastricht in drei Generationsformen (A1, A2, B) anzutreffen. Bolivina incrassata gigantea WICHER ist dabei identisch mit der A2-Generation. Im Untermaastricht und unteren Obermaastricht werden bei Gltr. arca, stuarti, rosetta und contusa "Entartungs"-Erscheinungen aufgezeigt, die bis zu 4% der Globotruncanenpopulation ausmachen können. Die letzten Kammern des jüngsten Umganges zeigen die Tendenz kiellos, kugelig rund und kleiner ausgebildet zu sein, sie lösen sich aus der Spira und ordnen sich ventral dem Nabel zu an. Die ökologische Auswertung der Faunen weist in der anteilmäßigen Zusammensetzung von Plankton und Benthos sowie in der Verteilung auf die verschiedenen Gattungen auf eine Ablagerungstiefe von etwa 1000 m in einem offenen Meeresteil hin, nur im Untercampan macht sich kurzfristig ein küstennaher Einfluß bemerkbar. Keine der untersuchten Proben zeigt die von den Flyschablagerungen der Nordalpen und Karpaten bekannten Foraminiferenvergesellschaftungen. In der Zusammensetzung und im Reichtum weicht die Foraminiferenfauna stark von der für die Flyschsedimente charakterisierenden Biofazies ab. Die Biofazies ist zur Definition des Komplexes Flysches erst zweitrangig hinter der Lithofazies zu benützen.