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Die permo-karbonischen Aufschlußbohrungen der Nahe-Senke des Mainzer Beckens und der Zweibrücker Mulde

Habicht, Hermann

Kurzfassung

Zusammenfassung In den Jahren 1955 bis 1960 wurden von der WINTERSHALL AG in der Nahesenke die Bohrungen Meisenheim, Odernheim, Monzingen und Waldböckelheim, im Mainzer Becken die Bohrungen Olm, in der Zweibrücker Mulde die Bohrung Landstuhl und im nördlichen Saarland die Bohrung St. Wendel niedergebracht. Alle Bohrungen gemeinsam durchteuften einen Sedimentbereich, der zwischen 5000 und 5500 m lag. Belegt durch die Bohrungen wurde folgendes Gesamtprofil: Im Mainzer Becken durch die Bohrung Olm 1 150 m Tertiär. Bei Zweibrücken der untere Muschelkalk mit 36 m und 800 m Buntsandstein durch die Landstuhl 1. Im Mainzer Becken und der Zweibrücker Mulde je ein Oberrotliegendprofil von etwa 1500 m durch Olm 1 und Landstuhl 1. Die Grenzlagerzone von über 400 m wird in der Nahemulde durch die Monzingen 1 belegt. Im gleichen Raum liegt ein Unterrotliegendes Profil mit folgenden Mächtigkeiten vor: Tholeyer Schichten mit etwa 125 m sind durch Monzingen und Olm nur schlecht belegt. Lebacher Schichten mit etwa 550-570 m durch Monzingen, Odernheim und St. Wendel. Obere Kuseler Schichten mit 600-630 m durch Meisenheim, Odernheim, Monzingen und Waldböckelheim. Mittlere Kuseler Schichten mit 400-530 m durch Meisenheim, Odernheim und Monzingen. Untere Kuseler Schichten mit 470-540 m durch Meisenheim, Odernheim und Monzingen. Vom Oberkarbon sind die Ottweiler Schichten mit 650 m durch Meisenheim und St. Wendel belegt. Jedes der Bohrprofile wurde mit ihren Sedimentcharakteristika einzeln beschrieben. Die unterschiedlichen Mächtigkeiten gleicher Schichtgruppen werden größtenteils auf Störungslücken zurückgeführt. Kleinere Mächtigkeitsschwankungen der Nahemuldebohrungen sind fazieller Art. Die Korrelation der drei nächsten Bohrungen Meisenheim, Odernheim und Monzingen gab die Möglichkeit zur Aufstellung eines Standardprofiles. Damit liegen nun für das Unterrotliegende der Nahemulde feste Mächtigkeitswerte vor, die zwischen 2100 und 2400 m liegen. Im allgemeinen konnte eine durchschnittliche Mächtigkeitszunahme eines Teiles der bekannten Unterrotliegendgruppen gegenüber dem Pfälzer Sattel festgestellt werden. Dies gilt besonders für die Feistkonglomeratzonen. Teilweise wurden bekannte Profile in ihren Mächtigkeiten bestätigt (mittlere Lebacher-, Altenglaner- und Breitenbacher Schichten). Auf jeden Fall erfuhren die Profile eine ins Einzel gehende Verbesserung, wie sie aus Tagesaufschlüssen nur selten gewonnen werden konnten. Die Bohrungen führten nicht nur in der Nahe-, sondern auch in der Zweibrücker Mulde und dem Mainzer Becken zur Entdeckung neuester Schichtserien, von denen bisher keinerlei Unterlagen vorhanden waren. Neu war mit 800 m die fast doppelt so große Mächtigkeit des Buntsandsteines bei Zweibrücken. Die etwa 1500 m Oberrotliegendprofile der Olm und Landstuhl überraschen durch ihre große Mächtigkeit und sedimentäre Ausbildung. Für die Stratigraphie ist der Nachweis der grauen Leitschicht und das Vorkommen von Anhydrit und Steinsalz sicher eines der interessantesten Ergebnisse. Es wird damit eine Ausbildung angezeigt, die für die Kreuznacher Schichten ein Zechsteinalter nicht unwahrscheinlich macht. Hinzu kommt das Problem des Alters der den Kreuznacher Schichten eingelagerten Eruptivgesteine in der Olm 1. Sie sind auf jeden Fall jünger anzusetzen, als bisher für das Winnweiler-, Hochsteiner- oder Siener Lager angenommen wurde. Als ein weiteres wichtiges Ergebnis muß in der Landstuhl 1 die Diskordanz zwischen Ober- und Unterrotliegendem gewertet werden. Dieser Abtragungsphase sind wahrscheinlich auch die Grenzlagereruptiva zum Opfer gefallen, deren Gerölle sich in den tuffösen Arkosenkonglomeraten nachweisen lassen.