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Stratigraphie und Diagenese des Oberkarbons in der Bohrung Münsterland 1

Hedemann, Hans-Adolf; Teichmüller, Rolf

Kurzfassung

Zusammenfassung Die Bohrung traf von 1788-5438 m Oberkarbon an, und zwar bis etwa 3100 m flachgelagert, darunter bis ca. 5000 m mehr oder minder steilgestellt und gestört, an der Basis jedoch wieder flachliegend. Flözführendes Karbon wurde bis 3679 m nachgewiesen. Da nur etwa 7% der Schichtenfolge gekernt werden konnten, basiert die stratigraphische Gliederung zum Weitaus größten Teil auf Spülproben und Bohrlochmessungen. Aufgrund des größeren Bor-Gehaltes der Schiefertone und des kleineren Kaolinit-Anteils an den Tonmineralien sowie aufgrund der Mikrofauna konnten die marinen Einschaltungen als solche klar erkannt werden. Auch zeigten die Kohlenflöze unter diesen Einschaltungen oft Spuren mariner Beeinflussung. Darüber hinaus erlaubten die Mikrofauna und der Verband mit charakteristischen Gesteinsfolgen, die wichtigsten marinen Horizonte bestimmten stratigraphischen Niveaus zuzuordnen. Auf diese Weise war es möglich, die Schichtenfolge des Oberkarbons schon während des Abteufens der Bohrung stratigraphisch grob zu gliedern in tiefes Westfal B, Oberes und Unteres Westfal A sowie flözführendes und flözleeres Namur. Nachdem die Ergebnisse aller Spezialuntersuchungen im Oberkarbon der Bohrung Münsterland 1 vorlagen, gestattete der Vergleich dieses Profiles mit den nächstbenachbarten Aufschlüssen eine feinere stratigraphische Gliederung (Taf. 22, Fig. 2-7). Es zeigt sich, daß das Oberkarbon der Bohrung Münsterland 1 ähnlich dem des Ruhr-Lippe-Gebietes ist. Das gilt insbesondere für die Flözführung (vgl. Tabelle S. 811), die im Oberen Westfal A der von Marl-Hüls und im Unteren Westfal A der von Dortmund entspricht, aber auch für die Sandsteine und ± marinen Horizonte. Rote Einschaltungen, wie sie im Raum Bielefeld auftreten fehlen völlig. Die große Mächtigkeit des Namurs (fast 2000 m), ist nur wenig kleiner als nördlich Wuppertal. Das Untere Westfal A ist etwas geringmächtiger als bei Waltrop. Die Mächtigkeit des Oberen Westfal A bleibt in großen Teilen des Oberkarbonbeckens von Nordwestdeutschland und den Niederlanden ± konstant (Taf. 22, Fig. 8). In der Bohrung Münsterland 1 konnte zum erstenmal eine Schichtenfolge des Oberkarbons über einen Teufenbereich von 3650 m bis in eine Tiefe von 5438 m an einem Aufschlußpunkt untersucht werden. Es war daher von besonderem Interesse, die mit der Teufe zunehmende Diagenese der sandigen und tonigen Sedimente der Umwandlung der Kohle und dem Verhalten der Restgase gegenüberzustellen (Abb. 1 und 2). Die Bohrung kam schon in der verhältnismäßig geringen Tiefe von 3000 m in einen Bereich der Anthrazitisierung, Serizitisierung und Ankeritisierung. Diese hohe Diagenese ist die Folge der langen Verweilzeit der Oberkarbonschichten in großen Teufen zur Zeit des jüngsten Westfals, der Oberkreide und des Tertiärs.