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Zur Stratigraphie der Jura/Kreide-Grenzschichten in Mitteleuropa

Barthel, K. W.

Kurzfassung

Die Diskussion über die Jura/Kreide-Grenze dauert seit mehr als 100 Jahren an. Besondere Schwierigkeiten bereiten dabei schneller Fazieswechsel, starke Faunendifferenzierung gegen Ende des Jura und die oft nur sehr lokal bedeutenden Grenzziehungen der älteren Autoren. Letztere trennten die Formationen zumeist an lithologisch auffälligen Stellen, die sich später häufig als Hiatus erwiesen. Selbst heute wurde, trotz großer Fortschritte, nur eine Annäherung der Grenzziehung zwischen Jura und Kreide erreicht. Einfach erwies sich die Grenzziehung im NW-europäischen Bereich; hier standen die marinen Portland-Ablagerungen abrupt den ästuarinen bis terrestrischen Purbeck- und Weald-Sedimenten gegenüber. Schwierig war dagegen die Abteilung in der Tethysregion. A. OPPEL versuchte 1865 mit seiner berühmten Arbeit über die tithonische Etage von der Jura-Seite her Klarheit zu schaffen. Er definierte die Grenzen seines Tithon nach damaligem Wissen. Dem gegenwärtigen Kenntnisstand entsprechend verändert, blieb der Begriff Tithon seither für die Tethys in Gebrauch. Im folgenden beschränkt sich der Vortragende auf die jüngsten Ergebnisse, da eine geschichtliche Gesamtbetrachtung zu weitläufig wäre. Ausgehend vom Unter-Tithon wird gegen die Kreide-Grenze fortgeschritten. An den Beginn sei der schwäbisch-fränkische Jura gestellt. Hier finden sich die Leitfossilien des unteren Untertithon, Hybonoticeras hybonotum (OPPEL), und des unteren Mittelkimmeridge (sensu ARKELL), Gravesia, zusammen. Die Hybonoticeraten der hybonotum-Gruppe finden sich im Tethys-Bereich der ganzen Welt. Ihr Vorkommen dient als Leitebene des Untertithon für weitreichende Parallelisierung. Gravesia, mit etwa gleicher Verbreitungsdauer, dient der Korrelierung im "Boreal". Als Überschneidung beider Lebensbereiche ist der schwäbischfränkische Jura daher von Bedeutung. Die bekannten Solnhofener Plattenkalke bildeten sich zu dieser Zeit.