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Die Sedimentationsgeschichte einer litoralen Erz-Seife. - Die Eisenerze von Achim bei Bremen

Ludwig, G.

Kurzfassung

Die Eisenerze von Achim-Horstedt wurden durch Baggerarbeiten in der Weser im Jahre 1956 entdeckt und ihre Verbreitung und Mächtigkeiten durch Bohrungen der Gewerkschaft Konrad und der Barbara-Erzbergbau erkundet. Die Lagerstätte erstreckt sich vom Bereich des Weserknies bei Horstedt birnenförmig in NNE-Richtung über etwa 9,7 km. Die größte Breite beträgt etwa 4 km, die maximale Mächtigkeit liegt bei 20 m. Das Erz ist ein Glaukonitsandstein mit einer seifenartigen Anreicherung goethitischer Geröllchen der Korngröße 0,6-0,3 mm. Mit steigendem Fe-Gehalt (bis 32%) nimmt der Anteil der Kornfraktion 0,6-0,3 mm und der Goethitgehalt zu, der detritische Glaukonitgehalt nimmt entsprechend ab. Die "Goethite" sind zum großen Teil durch Oxydation von Siderit und Glaukonit entstanden. Sie enthalten 20-45% Ton und 9,5-61,1% Quarz. Ihr durchschnittlicher Fe-Gehalt beträgt 25%. Die Glaukonite sind z. T. weitgehend "limonitisiert". Als Bindemittel tritt in den grobkörnigeren Erzen Siderit und in den ursprünglich tonreicheren Sedimenten Glaukonit auf. Beide Matrixarten sind z. T. zu Goethit umgewandelt. Der Ton wurde weitgehend von Glaukonit verdrängt. An Kontakten mit Siderit zeigt letzterer Resorptionserscheinungen. Eine eingehende Beschreibung der Mineralogie des Eisenerzes findet sich bei G. LUDWIG (1964). Die im Eisenerz angereicherten detritischen Komponenten sind durch Aufarbeitung oberoligozäner Sedimente im S der heutigen Lagerstätte (Raum Thedinghausen) in den küstenparallelen Materialversatzstrom des mittelmiozänen (Hemmoor-Stufe) Litorals gelangt. Fazielle und paläogeographische Untersuchungen haben ergeben, daß der Raum um Thedinghausen in der Bildungszeit der Erzlagerstätte eine Insel oder Untiefe war mit einer SW-NE verlaufenden Küstenkonfiguration und vorherrschend von W nach E anbrandenden Wellenfronten. Die Winkel, die die W-E gerichteten Wellenorthogonalen mit der Streichrichtung der Küste (bzw. der Brandungszone einer Untiefe) bilden, werden von SW nach NE immer kleiner. Da der Wellenauftreffwinkel maßgebend für die materialversetzende Energie ist, herrscht demnach an allen Abschnitten der beschriebenen Küste ein unterschiedliches relatives Transportvermögen, und zwar nimmt es von SW nach NE ab (siehe G. LUDWIG & K. VOLLBRECHT, 1957). Die allmähliche Herabsetzung des gegen die Küste vorgetragenen Energiestromes führt zu einer Sedimentation des gröbsten Wandergutes im NE-Teil der Insel. Auf diese Weise konnte sich - verursacht durch die Streichrichtung der Küstenlinie bzw. den unterschiedlichen Wellenauftreffwinkel - ein Vorkonzentrat an erzhaltigen Komponenten bilden.