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Quartärgeologische Untersuchungen im Hochland von Nordwest-Äthiopien

Semmel, A.

Kurzfassung

Hauptziel der Untersuchungen war die Klärung der Frage, inwieweit das bis 4100 m ü. NN. aufragende Massiv der Tschokeberge von der pleistozänen Schneegrenzdepression betroffen worden ist und in welcher Höhe dort die rezente Strukturbodengrenze liegt. Über die Lage dieser beiden Grenzen in anderen Teilen des äthiopischen Hochlandes wurden in jüngerer Zeit recht unterschiedliche Werte mitgeteilt (vgl. W. KULS u. A. SEMMEL, Pet. Geogr. Mitt. 106, 1962, H. 4). Das Ergebnis unserer Arbeiten läßt sich wie folgt zusammenfassen: Spuren einer Vergletscherung konnten nicht gefunden werden. Ebenso blieb die Suche nach rezenten frostbedingten Strukturböden ergebnislos. Darüber hinaus gelang es auch nicht, einwandfreie Anzeichen einer fossilen (pleistozänen) "periglazialen" Solifluktion aufzufinden. Gegenwärtig sind stärkere Bodenbewegungen dort zu beobachten, wo die vom Blauen Nil ausgreifende junge Zerschneidung für eine Übersteilung der Hänge sorgt. Es handelt sich hierbei um gewöhnliche - wenngleich auch sehr umfangreiche - Hangrutscherscheinungen, die oftmals periglazialen Solifluktionsdecken sehr ähnlich sehen. Ferner entstehen scheinbare Blocklehme häufig dadurch, daß über Tuffen oder fossilen Böden liegende Trappdecken durch die Verwitterung in zahllose Einzelblöcke aufgelöst werden, die von lehmigem Substrat umgeben sind.