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Paläogeographie und Tektonik des Devons im Gebiet von Ehringshausen/Werdorf (Lahnmulde)

Stibane, F.

Kurzfassung

Mit der Aufnahme der geologischen Blätter Braunfels und Ballersbach durch J. AHLBURG und E. KAYSER im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts war die Erforschung der Geologie im Bereich der Eisenerzgruben Heinrichssegen, Fortuna und Viktoria zu einem vorläufigen Abschluß gekommen. AHLBURG's Vorstellungen über Stratigraphie und Tektonik dieses Raumes hatten bis in die 50er Jahre hinein volle Gültigkeit. Zu dieser Zeit erhielt die geologische Forschung zwei wesentliche Impulse, in deren Folge die Auffasungen AHLBUBG's zu revidieren waren: 1. wurden von seiten der Industrie großangelegte Vorratsuntersuchungen der Eisenerzlagerstätten eingeleitet, und 2. wurde, besonders durch W. ZIEGLER, der biostratigraphische Wert der Conodonten bekannt. Damit aber war der Schlüssel für eine weit genauere Bearbeitung der geologischen Probleme im erwähnten Raume gegeben, als es AHLBURG um 1910 möglich war. Stratigraphisch ergaben sich folgende Veränderungen: Im Givet sind zwei unterschiedliche Faziesräume ausgebildet: 1. eine rein vulkanische Fazies (Schalstein), die in submarinen Rücken angehäuft ist; 2. ist zwischen den isolierten Schalsteinrücken eine euxinische Schwarzschieferfazies zur Ablagerung gekommen. Diese Beckenfazies ist durchgehend bis an die Grenze to II/III ausgebildet, während im to I/II des Schwellenbereiches wesentlich Cephalopodenkalkfazies vorherrscht. Mit dem to III beginnt erneut eine starke magmatische Tätigkeit, die sich in der Förderung großer Mengen Schalsteinmaterials äußert. Im Bereich der Grube Fortuna ist das gesamte to III-IV hauptsächlich aus mehreren 100 m Schalstein ausgebildet. Nach NE geht diese oberdevonische Schalsteinfazies in die normale Rotschieferfazies über. Das tektonische Bild hat sich auf Grund der neuen stratigraphischen Erkenntnisse weitgehend verändert. Da AHLBURG in dem to-Schalstein mangels Makrofossilien solchen des Givet vermutete, der (wie wir jetzt wissen, ganz normal) die Folge tm-Schalstein-Grenzlager-tiefes to überlagert, postulierte er eine Überschiebung, die weit von SE her to überfahren hätte. Die Untersuchungen der letzten Jahre haben gezeigt, daß eine normale Abfolge vom Givet bis Kulm verfaltet ist, wobei die ehemaligen givetischen Schalsteinschwellen zu stark NW-vergenten Sätteln umgeformt sind, während das dazwischen liegende Becken einer großen, relativ ruhig gebauten Mulde entspricht.