Original paper

Zur Geologie der mittleren Lahnmulde mit besonderer Berücksichtigung der Gegend von Weilburg

Rietschel, S.

Kurzfassung

Im Raum Weilburg und in den nach N und S anschließenden Gebieten von Niedershausen bis Usingen durchgeführte feinstratigraphische Untersuchungen brachten eine große Zahl von Ergebnissen zur Stratigraphie und Fazies von Mitteldevon, Oberdevon und Unterkarbon. Für den obermitteldevonischen Schalstein wurde bei Weilburg eine Gliederung ausgearbeitet, die sich unter günstigen Voraussetzungen auch im Schalstein-Hauptsattel weiterverfolgen läßt. Diese Gliederung wurde auf lithologischer Grundlage mit Hilfe von Kristalltuffen, Bändertuffen, klastischen Keratophyrgesteinen ("Keratophyrtuffe", die großenteils wohl als Aufarbeitungsprodukte von Keratophyrklippen anzusehen sind), Tuffiten, Tonschiefern und Kalkgesteinen durchgeführt. Die oberdevonische Schichtenfolge ähnelt der aus anderen Gebieten des Rheinischen Schiefergebirges (Dillmulde, Sauerland) bekannten. Eine örtliche Sonderfazies im mittleren Oberdevon sind bis über 40 m mächtige Vulkanite. Ohne merkliche Schichtlücke leitet das höchste Oberdevon in das Unterkarbon über, das dem der Dillmulde vergleichbar ist. J. AHLBURG hat (s. KEGEL 1922) die heutige Lahnmulde als tektonische Einheit, gleichzeitig aber auch als Abbild des devonischen Sedimentationsbeckens angesehen. Für ihn waren Muldenkern und Trogkern identisch. Die Lage der Gebiete mit Normalfazies zu denen mit Schwarzschieferfazies lassen eine neue Deutung der Verteilung der Großfaziesräume und des Baues des Lahntroges zu: Das "Oberdevon der südlichen Randfazies" (Schwarzschiefer) wird als Stillwasserfazies des Trogkernes angesehen; diese wird im N wie im S von einer Tiefschwellenfazies (Cephalopodenkalke, "Cypridinenschiefer") begleitet, wie Aufschlüsse bei Weilburg und bei Usingen zeigen. So wäre die Achse des oberdevonischen Sedimentationstroges an den Südrand der Lahnmulde zu legen. Für den mitteldevonischen Sedimentationstrog gilt Entsprechendes, doch ließ sich die Verteilung der Faziesräume in diesem nicht so klar erkennen, da durch die zweifache Reliefbildung (1. tektonisch: Brandenberg-Bewegungen, 2. vulkanisch: Schalstein-Vulkanismus) ein großräumiges Bild der Ablagerungsbedingungen verschleiert wurde. Dem Faziesschema AHLBURGS - dessen Arbeiten allen heutigen Untersuchungen in der Lahnmulde Grundlage und Beispiel sind - kann die Ansicht gegenübergestellt werden, daß der Lahntrog als stark gegliederter Sedimentationsraum auch den Taunus umfaßte und daß seine Achse weiter im Süden lag, als bisher angenommen.