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Pollenanalytische Untersuchungen zur Gliederung des Pleistozäns im nördlichen Oberrheintal-Graben

v. d. Brelie, G.

Kurzfassung

Während des Pleistozäns wurden, bedingt durch die ständige Absenkung des Untergrundes, im nördlichen Oberrheingraben in großer Mächtigkeit fluviatile Sedimente abgelagert, die sich aus Kiesen, Sanden, Schluffen und Tonen mit Einschaltungen organischer Bildungen zusammensetzen. Der Bereich tiefster Senkung lag am Ostrand des Grabens, und vom mittleren Pleistozän ab hatte sich die ursprünglich breite Grabenscholle zu einer schmalen Absenkungszone verengt. Entsprechend der stufenförmigen Absenkung lassen sich von W nach E drei Hauptbruchschollengebiete unterscheiden, die vorerst als westliche, mittlere und östliche Grabenscholle bezeichnet werden. Die Untersuchungen konzentrierten sich vor allem auf den Raum um Karlsruhe, also auf die östliche Grabenscholle, wo die pleistozänen Ablagerungen etwa 100 m mächtig werden. Die hier von BARTZ (Z. deutsch, geol. Ges., 111, S. 653-661) nach petrographischen Gesichtspunkten aufgestellte Gliederung ließ sich besonders für das Altpleistozän ergänzen, und es stellte sich heraus, daß in diesem Abschnitt eine Unterscheidung von Warm- und Kaltzeiten möglich ist. Über dem Pliozän, dessen Oberkante an Hand der Pollenführung deutlich zu erkennen ist, liegen zunächst Fein- bis Grobsande, die der Prätegelen-Kaltzeit zugerechnet werden müssen. Darüber folgen Schluffe und Sande der Tegelen-Warmzeit. Mit dem Einsetzen von Fein- und Grobkiesen schwindet die Tegelen-Flora und die Pollenspektren innerhalb des jetzt folgenden Abschnittes mit gröberen Sedimenten zeigen ein ausgesprochen kaltzeitliches Bild. Analog der Entwicklung im Niederrheingebiet, auf die der Tegelen-Warmzeit die Ablagerungen der jüngeren Hauptterrasse folgen, darf zweifelsohne auch am Oberrhein die gröbere Schüttung über den Schluffen und Sanden mit einer Pollenflora des Tegelen der jüngeren Hauptterrasse gleichgesetzt werden. Die über den Kiesen liegenden Fein- bis Mittelsande und Schluffe gehören vermutlich der Günz/Mindel-Warmzeit (Cromer-Warmzeit) an. Den Abschluß der Pleistozän-Schichtfolge bilden drei durch zwei Feinsand- und Schluffhorizonte getrennte Kieslagen. Der obere Teil des Pleistozänprofils im Raum Karlsruhe läßt sich pollenstratigraphisch noch nicht befriedigend gliedern. Der untere Feinsand- und Schluffhorizont ist sicher eine warmzeitliche Bildung. Vermutlich handelt es sich um eine Ablagerung der Holstein-Warmzeit. Aus dem oberen Feinsand- und Schluffhorizont standen keine Proben zur Verfügung. Entsprechend der von BARTZ vorgenommenen Einstufung dürften die drei Kieslager der Mindel-, Riß- und Würm-Kaltzeit angehören und folglich die Feinsand- und Schluff-Horizonte der Holstein- und der Eem-Warmzeit gleichzusetzen sein.