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Die geologischen Auswirkungen der Sturmflut vom 17. Februar 1962 in Nordfriesland

Gripp, K.

Kurzfassung

An Menschenwerk wurden örtlich außer Deichen eine Ufermauer zerschlagen, der Hindenburg-Damm beschädigt, teilweise eingemauerte leere Tanks wurden gehoben, Seezeichen vom Lagerplatz abgetrieben, 120 Zentner schwere Tetrapoden von den Wellen verschleppt und eine Landungsbrücke durch Wellenschlag um 2 m gehoben. Umsichtige Bewohner der nicht bedeichten Geest sicherten ihre Gebäude mit Erfolg durch Sandsäcke und Mistlagen. Auf Wiesen wurden Mäusegänge gefahrbringend erweitert. Von den Äckern mußte das angespülte Treibsel abgefahren und die Entsalzung durch erneutes Pflügen gefördert werden. Die von Hangschutt befreiten Kliffs zeigten: In Morsum-West eine bislang unbekannte Schuppe aus Störmeer-Absätzen, in Schuppe 2 des Morsum-Kliffs den allmählichen Übergang von Glimmerton in die Sandfazies, Wühlspuren im bisher als fluviatil gedeuteten Feinsand oberhalb des Limonitsandsteins, ehemals an Schalen und Lebensspuren reiche Sandlagen offenbar mariner Entstehung an der Basis des Kaolinsandes. Somit enthält Schuppe 2 mit Ausnahme der oberen 6 m nur marine Ablagerungen. Am Roten Kliff waren bei Kampen die gestauchte Riß-Moräne auf der Innenseite des Nord-Sylter Kaolinsand-Rückens, bei Wenningstedt auf dessen tiefer Außenflanke mindelzeitliche Moräne und Sande (die ersten Flinte und Windschliffe enthaltend) sowie eine Zweiteilung der Rißmoräne aufgeschlossen. Im Kaolinsand waren das Kampener Braunkohlenflöz in ganzer Länge (125 m) mit einem Tonwall am Nordende, ferner Sackungen über Tonbatzen, treppenförmige Rutschungen usw. sichtbar. Von aktuogeologisch interessanten Folgen der Sturmflut seien vom Hochstrand des Kniepsandes vor Amrum erwähnt: Die Entstehung von Kolken hinter Triticum-Urdünen und in Algen-Rasen (Percursaria percussata und Cyanophyceen, det. Dr. SIMONSEN), die Abdrücke von Eisschollen unter Wasser am Grunde dieser Kolke, deren Auffüllung durch Flugsand und damit die Bildung der die Badegäste beängstigenden "Triebsand"-Stellen.