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Die Versalzung des Trinkwassers auf den Halligen durch die Sturmflut und die Trink- und Tränkwasserversorgung danach

Wohlenberg, E.

Kurzfassung

Die noch existierenden zehn Halligen Nordfrieslands sind bis auf zwei alle bewohnt. Die zum Schutz gegen die Sturmfluten auf Warfen errichteten Wohnhäuser der Halligbewohner haben in der Nacht vom 16. zum 17. Februar 1962 schweren bis schwersten Schaden gelitten. Das Wasser hat meterhoch in den Stuben und Ställen gestanden. Nicht nur die Außenmauern sind von den Wellen eingedrückt worden - ganz gleich, ob es sich um altes Gemäuer handelt oder um die modernen Bauten der letzten Jahre -, sondern auch in den Häusern selbst ist das ganze bewegliche Inventar vom Wasser verwüstet oder durch die von den Wellen zerschlagenen Türen in die offene See abgetrieben. Da die durchschnittliche Höhenlage der Warfen und damit der Hausbasis etwa zwischen + 3,50 und + 4,30 m NN liegt, der Sturmflutwasserspiegel der Sturmflutnacht ohne Berücksichtigung der mindestens mit 1,50 anzunehmenden Wellenhöhe mit rund + 4,00 m NN angenommen wird, sind sämtliche Wasserstellen der Halligen, ganz gleich, ob Fething (Tränkwasser) oder Sood (Trinkwasser), stundenlang vom Meerwasser überflutet gewesen. Als Folge davon waren alle Wasservorräte schlagartig unbrauchbar geworden. Was der z. Z. lebenden Halliggeneration bisher erspart geblieben war - der totale Zusammenbruch der Trink- und Tränkwasserversorgung -, das war in den Abendstunden des 16. Februar eingetreten. Während an den schwer beschädigten Seedeichen des Festlandes noch während der Nacht ein großes Hilfsprogramm anlief, waren die Halligen noch auf sich selbst gestellt. Für sie erwuchs als dringlichste, keinen Aufschub duldende Aufgabe die Versorgung von Mensch und Vieh mit Frischwasser. Da die Vernichtung der Wasservorräte eine totale war, konnte ihr unverzüglicher Ersatz nur durch eine bis dahin nicht geübte Großaktion gesichert werden. Diese Aufgabe, d. h. die Organisation und Koordinierung aller hierfür dienstbaren Kräfte, Schiffe, Fahrzeuge, Pumpen, Geräte, wurde dem Verfasser übertragen. Die Versorgung war am 9. Tage gelöst, am 10. und 11. Tage wurden in ausgewählten Fethingen der beiden großen Halligen Hooge und Langeness Frischwasser depots angelegt. Damit waren insgesamt 7 Millionen Liter Frischwasser auf die Halligen gebracht. Der Notstand war dadurch nicht nur behoben, sondern den Halligbewohnern war zusätzlich eine Reserve für die folgende Zeit jederzeit, d. h. unabhängig vom Festland, verfügbar.