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Küstenmorphologie, Windfeld und Materialversatzenergie in der westlichen Ostsee

Vollbrecht, K.

Kurzfassung

Unter Verwendung der als repräsentativ angesehenen Wettermeldungen des Feuerschiffes KIEL wird der Versuch unternommen, die Energieverhältnisse an 4 Küstenpunkten quantitativ in ihrem chronologischen Verlauf zu erfassen. Bei Punkt I (südlich Schleimünde) wird an einem nord-südlichen Küstenverlauf gezeigt, daß in den bearbeiteten Jahren 1960 und 1961 die Energiesumme auf einen nach Norden gerichteten Generalversatz hindeutet, obwohl in der chronologischen Darstellung auch häufig südliche Wanderungstendenzen sichtbar werden. Die Energieverteilung in den Tiefenzonen - 3,3 m, - 6,4 m und - 10,0 m läuft bei Punkt I gleichsinnig mit der Gesamtverteilung. Bemerkenswert ist die Prägung der Kurvencharakteristik durch herausragende einzelne Wetterlagen. Die Punkte II (Dänisch-Nienhof), III (Surendorf) und IV (Nör) in der Eckernförder Bucht zeigen bei fast west-östlichem Küstenstreichen die Wirkung des sich einengenden nordwestlich vorgelagerten Seegebietes. Nur bei dem am weitesten auswärts liegenden Punkt II reichen die Streichlängen aus dem Westsektor noch aus, im Gebiet des Vorstrandes (hier finden alle Winde bzw. Wellen Berücksichtigung) der Ostkomponente das Gleichgewicht zu halten. In den erwähnten Tiefenzonen (- 3,3 m, - 6,4 m, - 10,0 m) weist dagegen die Energiesumme einen einseitig nach Westen gerichteten Materialversatz nach. Ein Vergleich der drei benachbarten Punkte gestattet für den mittleren (Surendorf) die Aufstellung einer Energiebilanz. Sie ist im Jahre 1961 leicht negativ, wobei der größte Beitrag zum Defizit aus der Tiefenzone - 4,0 m kommt. Im Bereich des Vorstrandes ist die Bilanz etwas günstiger, nahezu ausgeglichen ist sie jedoch erst in größeren Tiefen. Der allgemeine quantitative Zusammenhang zwischen der Materialversatzenergie und den tatsächlich bewegten Sedimentmengen ist noch nicht erforscht. Dagegen setzt uns die Bilanzbetrachtung bei benachbarten Küstenpunkten schon in den Stand, Stabilitätsabschätzungen von Küstenabschnitten - auch unter Einschluß ihrer Tiefenzonen - vorzunehmen. Vor Abbruchsküsten läßt sich somit erkennen, wo die Ursachen bzw. der Motor des Küstenrückgangs zu suchen sind.