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Der Aufbau des Wurster Seedeiches und der Nachweis von geeignetem Deichbaumaterial in der Marsch

Schneeberg, H. A.

Kurzfassung

Im Frühjahr 1962 wurde unmittelbar nach der Sturmflut durch die enge Zusammenarbeit des NLfB Hannover mit den Behörden an der Küste angeregt, den Aufbau des Wurster Seedeiches von Berensch bis nach Weddewarden durch Bohrungen zu erfassen. Es wurden dabei mehrere Deicherhöhungen festgestellt. Zwischen Bodenart und Deichprofil sowie eingetretenen Rutschungen und Außenböschungsschäden wurde deutlich, daß bei überwiegend verwendeten tonarmen Feinstsanden und Schluffen bei steiler Binnenböschung die umfangreichsten Kappstürze eingetreten sind. Selbst bei exponierter Deichlage waren keine Rutschungen festzustellen, wenn die abdeckende Bodenschicht des Deiches einen Tongehalt von etwa 17-25% enthielt (Kleideich). Auf Grund der Erfahrungen der Marschenkartierung des NLfB Hannover und auch in Anlehnung an die Meinung des ansässigen Deichgräfen wurden im Deichvorland des Wurster Deiches, aber folgend auch an der Elbe und in Butjadingen im Auftrage der Wasserwirtschaftsämter "Kleiboden" auskartiert, der zunächst zur Reparatur der Schadensstellen und bis heute als "Kleiabdeckung" bei der Erstellung der neuen Deiche nach den nun notwendigen Abmessungen verwendet wird. Dabei wird als günstiger "Klei" ein Marschboden mit etwa 18 bis 35% Ton angesprochen, der sich durch Bodenentwicklung, besonders durch intensive Durchlüftung und Entwässerung aus dem weichen nassen Schlick entwickelt hat. Wegen der notwendigen Massen und der Verwendung schwerster Maschinen sind "Kleideiche" nur noch durch Einbau eines Sandkörpers (Wattsande oder Diluvialsande) mit einer abdeckenden Kleischicht zu erstellen.