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Das Problem der oberdevonischen Rotsedimente im Rheinischen Schiefergebirge

Einsele, G.

Kurzfassung

Wenn man das Ablagerungsmilieu der heutigen roten, braunen und gelben Meeresschlamme mit denen der fossilen marinen Rotsedimente vergleicht, stößt man in vielen Fällen auf eine erhebliche Diskrepanz. Dazu das folgende Beispiel: Im höheren Oberdevon (Famenne) hat ein nördliches Festland, der Old Red-Kontinent, nach allgemeiner Vorstellung rot gefärbtes Material in die südlich gelegene rheinische Geosynklinale entsandt. Nun ist zunächst überraschend, daß in den Flachwassersedimenten Belgiens und des Aachener Raumes, welche diesem ehemaligen Kontinent unmittelbar anlagern, rote Sedimentfarben ganz zurücktreten. Dieser Befund läßt sich jedoch mit den Rezentbeobachtungen gut vereinbaren, nach denen auf den Schelfen fast nur graue Sedimente abgesetzt werden, auch wenn diese heiß-ariden oder tropisch-humiden Gebieten vorgelagert sind. Die Deutungsschwierigkeiten stellen sich auf rechts-rheinischem Gebiet ein, wo vorwiegend rote Tone (Cypridinenschiefer) und graue Sande und Silte (z. B. Pönsandstein) zwischen submarinen Schwellen mit geringmächtigen, ebenfalls weitgehend rötlichen Kalken sedimentiert wurden. Diese klastischen Beckenablagerungen sind weder als Delta-Sedimente noch als ausgesprochene Tiefsee-Absätze zu deuten, wo wir heute am ehesten marine Rotsedimente finden. Man würde zunächst erwarten, daß die flyschoiden Sand-Silt-Folgen wegen ihrer verhältnismäßig raschen Einschwemmung rote Farbtöne aufweisen, wogegen die sehr viel weniger schnell, aber doch nicht extrem langsam abgesetzten Beckentone eher unter den Einfluß reduzierender Bedingungen geraten sein sollten. Während sich die Entfärbung der Sande und Silte durch den verhältnismäßig geringen Verbrauch an Reduktionsmitteln und vielleicht auch durch eine Zwischenlagerung in einem nördlichen (noch unbekannten) Schelfbereich einigermaßen erklären läßt, bleibt die Deutung der Rotfärbung der Cypridinenschiefer noch unbefriedigend.