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Die variszischen Gebirgszusammenhänge im westlichen Europa

Lotze, F.

Kurzfassung

Das Varisziden-Orogen, zu welchem das Grundgebirge der spanisch-portugiesischen Meseta in seiner Gesamtheit gehört, zeigt auf der Iberischen Halbinsel einen zweiseitigen Bau. Einem Innenvariszikum mit einer Scheitelungszone stehen ein nordöstliches (Asturien - Kantabrien) und ein südwestliches (Südwest-Portugal, südwestliches Spanien) Außenvariszikum gegenüber, die voneinander unabhängig sind. Das erstere ist trotz seiner Lage im Norden als zugehörig zum Südstamm aufzufassen, das letztere trotz seiner Lage im Süden als zugehörig zum Nordstamm. Das eine ist also "invers-gondwanidisch", das letztere "inversrhenidisch". Der im großen S-förmige Verlauf des Gebirges ist bereits durch die altpaläozoische Geosynklinale vorgezeichnet. Diese zog sich in kambrischer Zeit um einen kantabrischen Vorlandsporn herum und setzte sich nordostwärts unter dem Golf von Biskaya fort. Im Hinblick auf die gesetzlichen Beziehungen, die zwischen Geosynklinalbildung und Orogenese bestehen, ist zu schließen, daß auch die spanischen Varisziden bogenförmig nach Westfrankreich weiterziehen. Mit dieser Auffassung der westeuropäischen Gebirgszusammenhänge kehren wir - allerdings modifiziert - zu einer Auffassung zurück, zu der bereits E. SUESS das Fundament legte.