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Hydrogeologie in Bergbaugebieten

Semmler, W.

Kurzfassung

Bei den Tagungen der Deutschen Geologischen Gesellschaft ist es schon fast zur Tradition geworden, eines Jubiläums zu gedenken, das entweder Personen oder die Gesellschaft bzw. das Thema betrifft. Bei dieser Frühjahrstagung können wir zum Thema auf die hundertste Wiederkehr des Tages hinweisen, an dem die Kaupe-Quellen, die seit dem Jahre 1434 über 400 Jahre lang einen wesentlichen Teil der Wasserversorgung der Stadt Essen übernahmen, infolge Einwirkung des Bergbaues im Jahre 1864, versiegten. Es waren Quellen, die nicht aus dem Steinkohlengebirge genährt wurden, sondern aus dem weißen Mergel der oberen Kreide austraten. Dieses Geschehnis dürfte eine gute Einleitung zu meinem Vortrag sein. Hydrogeologie in Bergbaugebieten ist ein Thema, mit dem sich mit großer Wahrscheinlichkeit schon die Bergleute der Steinzeit befassen mußten, da sie beim Schürfen und Graben nach Feuerstein mit dem Grundwasser in Berührung kamen. Später haben dann im Altertum und insbesondere im Mittelalter die Bergleute sozusagen hydrogeologisch gearbeitet und eine intensive Wasserwirtschaft betrieben. Sie kannten versiegte Quellen und Brunnen, versinkende Bäche und Teiche sowie versaufende Schächte und vollgelaufene Grubenbaue. In vielen Fällen haben sie die zusammenhängenden hydrologischen Fragen nicht erkannt bzw. nicht erkennen können. Erst die hydrogeologische Wissenschaft mit ihren vielseitigen Untersuchungen hat auf diesem Gebiet in jüngster Zeit Erkenntnisse gebracht, die es ermöglichen, einen Überblick über die hydraulischen Zusammenhänge innerhalb des Gebirges zu geben.