Original paper

Hydrologische Aufgaben im Salzgitterer Eisenerzbezirk

Kolbe, H.

Kurzfassung

1. Geologische Charakterisierung der Eisenerzgebiete in und um Salzgitter Das nordwestliche Harzvorland ist durch seine von der Paläogeographie und Tektonik geprägte geologische Gestaltung eine Wasserspeicher- und Quellregion. Das Vorkommen von marin-sedimentären Eisenerzen in 3 jurassischen und 2 kretazischen Horizonten weist auf das mehrfach wiederholte Wechselspiel von Meeresvorstoß und Meeresrückgang einer Frühnordsee hin. Diese erdgeschichtlichen Ereignisse waren Ursache chemischer Mobilisation und mechanischer Sortierung, von der in Etappen vollzogenen Umwandlung von "Muttersubstanzen" in Lagerstätten. Das gilt auch für die Aufarbeitung und Umlagerung anderer klastischer Sedimente. So ist die Unterkreide von Salzgitter ein klassisches Beispiel für die salztektonisch gesteuerte reziproke Bunkerung von jurassischem und mesozoischem Aufbereitungsschutt. Oft wurde über einen längeren Zeitraum von der gleichen Stelle abgetragen. Die Aufbereitungs- und Mobilisationsprodukte wurden dicht daneben in einem absinkenden Graben oder Halbgraben (Kolk) oder als Schutt-Delta akkumuliert und konserviert (Abb. 1). Die ältesten - vorwiegend oolithischen Unterkreideerze (Hauterive) - zeigen die geologisch jüngeren Sekundärfossilien (Dogger, höherer Lias), die bei salztektonischer Belebung und stärkerem Erosionsgefälle geschüttete Barrême-Trümmererze beinhalten. Sekundärfossilien aus älteren Liasschichten und die Apt-Erze zeigen auch zunehmend Triasmaterial. Im Unteralb schließlich findet sich wegen der Wasserführung bergbaulich unangenehme ausgesprochene Sandsteinfazies (Hils) vorwiegend da, wo in der Nachbarschaft die gleichzeitige Abtragung von Triassandstein, insbesondere Rhät anzunehmen ist. Für den hydrologischen Zustand ist ein weiterer bestimmender Faktor die Entwicklung der Wasserstockwerke, die Auffüllung großer erdgeschichtlich alter Grundwasserstockwerke mit eiszeitlichem oder nacheiszeitlichem, vielfach also heute fossilem Wasser, ferner die Deponierung großer unterirdischer Wasserreservoire in der Form von Schotter- und Kiesbecken im Zuge der quartären gesamtmitteldeutschen bzw. mitteleuropäischen Entwässerung in den Eisschmelzperioden. Damit im Zusammenhang steht die Erstanlage von Karstgerinnen im Pläner, die mit einer anhaltenden Verstellung des Schichtenverbandes "wanderten".