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Die Tektonik des Westabschnittes der Äußeren Karpaten in der CSSR

Roth, Zdenek

Kurzfassung

Zusammenfassung Aus den Forschungsergebnissen tschechoslowakischer Spezialisten, die während der durch die Ausgabe der geologischen Übersichtskarte 1:200.000 abgeschlossenen neuzeitigen Durchforschung der tschechoslowakischen Äußeren Karpaten erzielt wurden, geht hervor, daß diese Karpatenzone ein auf das Vor- und Hinterland aufgeschobenes Faltenbündel darstellt, das schrittweise von der Mittelkreide bis ins Obertorton aufgebaut wurde. Dieses Bündel baut die durch Faltung in die Karpaten einverleibte neoide Sedimenthülle des ehemaligen und teilweise noch heutigen Südrandes der nordeuropäischen Tafel auf. Nach der Annexion des Großteils der neioden Tafelrandhülle folgte mit einiger Verspätung die Einverleibung der ganzen sogenannten exotischen Scholle samt ihrem Unterbau. Fortschreitende Absonderung dieser Scholle vom Tafelrand hatte in der Mittelkreide eingesetzt und wurde im Obertorton vollendet (2. ROTH 1963). Die exotische Scholle wurde vom Tafelinneren längs der typischen Begleitstrukturen des "inneren Winkels" des Tafelrandes (N. S. SCHATSKI 1946) abgesondert. Unter diesen Strukturen war es vor allem eine grabenförmige sudetischstreichende Parageosynklinale, welche als eine südöstliche Fortsetzung dem Grabensystem, das die Pompeckjsche Schwelle in Norddeutschland begleitet, angehört (Z. ROTH 1960, 1961 b). Die paläogene und neogene Faltung der Äußeren Westkarpaten scheint durch eine weitreichende, gegen NNO gerichtete Überschiebung des austrisch konsolidierten zentralkarpatischen Blocks auf den Südrand der kretazeischen Form der Tafel hervorgerufen worden sein. Die exotische Scholle wurde dabei wahrscheinlich von dem zentralkarpatischen Block verdeckt, wie schon H. STILLE (1953) angedeutet hat. Die Faltung der Äußeren Karpaten wurde durch eine mechanische Differenzierung aller beteiligten Komponenten des annektierten Tafelrandes ihrer relativen Kompetenz nach begleitet. Die großen kompetenteren Schichtenpakete zerteilen sich durch die Schubbewegung in einzelne Schichten und wurden immer leichter durch die bewegenden Massen dirigiert. Auf diese Weise formten sich bei dem Einverleibungsvorgang innerhalb der von ihrem Tafelunterbau abgelösten Sedimenthülle die einzelnen Decken der Äußeren Karpaten mit ihrem Innenbau. Die Entwicklung des inneren Baues der Decken spiegelt eine Reihe von Strukturstilen wider, aus denen ein jeder einer bestimmten Stufe struktureller Reife entspricht. In den relativ kompetenten und durch Bewegung weniger deformierten Deckenkernen, welche meistens von Flysch- und flyschoiden Schichten aufgebaut sind, reiften die Strukturformen langsamer als in dem umhüllenden Deckenteil. Dadurch wird die strukturelle Mannigfaltigkeit der Äußeren Karpaten erklärt und dementsprechend klassifiziert. Es werden neben den einer niedrigen Reifestufe entsprechenden Faltenstilen (einfache Falten, Faltenüberschiebungen, Diapirfalten und deckenartige Aufschiebungen) auch reifere Durchknetungsstile (Klippenstiel, Schuppenstil und Linsenstil) unterschieden. Was die Faltenformen betrifft, werden die strukturell reiferen Teile der Äußeren Karpaten durch kongruente Falten, die weniger reifen Deckenteile durch Parallelfalten gekennzeichnet (J. FOLDYNA, 1964). Von den Klüften spiegeln den Regionalbau der Karpaten besser die großen Kluftzonen als die kleine, bankabhängige Zerklüftung wider (M. PLICKA, 1963). Ferner wird auch kurz die regionaltektonische Einteilung und tektonische Entwicklung des Westabschnittes der tschechoslowakischen Äußeren Karpaten zusammengefaßt.