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Faziesanalyse der alpidischen Serien der Ostalpen

Tollmann, A.

Kurzfassung

Zusammenfassung Die Darstellung enthält einen Überblick über die Fazieszonen der Ostalpen unter Zugrundelegung der 1963 in der "Ostalpensynthese" (A. TOLLMANN) zusammengefaßten Details und unter besonderer Berücksichtigung der Neuerkenntnisse von der wechselseitigen Beziehung der einzelnen Fazieszonen durch neueste Beobachtungen. Die entscheidendsten Ergebnisse liegen in der großregionalen Zuordnung der intern schon 1961 in die Hauptfazieszonen gegliederten penninischen Einheit auf Grund des persönlich durchgeführten Vergleiches mit den entsprechenden westalpinen Abschnitten: Der auf das Helvetikum im S folgende Valaistrog der Westalpen endet gegen E bald unter den westlichen Kalkalpen, nur sein Flyschanteil zieht schräg nach außen streichend weiter. Die Schwellenfazies des Briançonnais kann nunmehr erstmalig in aller Klarheit in zwei Teilelementen durch die Ostalpen bis in die Westkarpaten verfolgt werden. Den Nordteil der Briançonnaisschwelle stellt der heute begrabene Ultrapienidische Rücken dar, den Südteil in Acceglio-Fazies unsere Hochstegenkalkzone, die gegen E zum Hochtatrikum hinüberleitet. Der Piemontaistrog umfaßt in den Ostalpen Tief- und Hochpennin des Engadiner Fensters und von N nach S Brennkogel-, Glockner- und Klammkalkfazies im Tauernfenster, wobei die präpiemontesischen Faziesmerkmale in der Brennkogelfazies wiedergefunden wurden, die hochpiemontesischen in der Glocknerfazies in reiner Ausprägung vorliegen. Aus dem zentralen Abschnitt der unterostalpinen Fazieszone wird die Definition für die zentralalpine Fazies abgeleitet, der auf Grund von litho- und biofaziellen Merkmalen auch noch die mittelostalpine Fazieszone angehört. Das Wesen der zentralalpinen Fazies liegt in bestimmten litho- und biofaziellen Eigenheiten, nicht in der Lückenhaftigkeit und Geringmächtigkeit - wie früher angenommen worden war. Schichtlücken großen Ausmaßes stellen vielmehr ein Merkmal der Briançonnaisfazies dar. Die fazielle Zuordnung der mittelostalpinen Sedimentreste in der Tattermann-Thörler Serie, im Stangalm-Flattnitz-Mesozoikum und im Engadin-Ducan-Gebiet erfuhr, wie ausgeführt wird, durch neue Untersuchungen eine weitere wesentliche Stütze. Betreffs kalkalpinem (nordalpinem) Faziesgroßraum wird die Unmöglichkeit einer faziellen Koppelung des stratigraphisch jüngeren Teiles der Frankenfelser Fazies mit der zentralalpinen Entwicklung des Thörler Zuges nachgewiesen. Der Einbau der Hallstätter Zone N der Riffkalkzone am Kalkalpensüdrand kann zwingend begründet werden. Vom Gesamtraum des nordalpinen Faziesgebietes bis zum Drauzug wird von der bisher noch am unklarsten gebliebenen Etage, dem Permoskyth, ein paläogeographischer und fazieller Überblick gegeben. Die Stellung der tektonisch isolierten nordalpinen Schollen im Raum der Zentralalpen wird unter anderem durch die in neuester Zeit an weiteren Beispielen beobachteten vulkanischen Einschaltungen in der Mitteltrias als Bindeglied zwischen Südalpin und Nord-Kalkalpin weiter gefestigt. Als Eigenart der nordalpinen Fazies wird hervorgehoben, daß sich vom Zentrum aus nicht nur gegen N, sondern auch gegen W hin ein immer stärker anwachsender Einfluß außeralpiner bzw. randalpiner Faziesmerkmale erkennen läßt (Nordalpine Faziesregel). Die Eigenständigkeit des südalpinen Faziesraumes wird kurz charakterisiert.