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Zur Paläogeographie der Raibler Schichten in den westlichen Nordalpen

Jerz, H.

Kurzfassung

Auf Grund von Profilaufnahmen der Raibler Schichten, sedimentpetrographischen Ergebnissen und Faziesuntersuchungen wird für die westlichen Nordalpen ein Bild der Paläogeographie im Karn entworfen.
1. Der nordalpine, karnische Sedimentationsraum bildete im Untersuchungsgebiet eine eigenständige, geographische Einheit. Das Sedimentationsbecken hatte Trogcharakter. Die Achse größter Senkungstendenz verlief durch die zentral gelegenen Gebiete.
2. Nach der Lithofazies können 3 Faziesräume unterschieden werden: Raibler Schichten in nördlichen und westlichen Vorkommen sind küstennahe, in zentralen Bereichen küstenfernere Bildungen. Überraschend zeigen auch die südlichen Profile Merkmale einer Randfazies.
3. Nach der Biofazies lassen sich 2 Faziesräume unterscheiden: Eine fossilarme "Nord-Fazies" und eine fossilreichere "Südfazies".
4. Die Verbreitung der terrigenen Sedimente, ihre Mineralfazies und ihr Kornaufbau weisen auf nördliche und südliche Liefergebiete mit verschiedenen Ausgangsgesteinen hin. Sandsteine der stratigraphisch höheren Horizonte wurden von Süden und Südwesten (und? Westen) in den Ablagerungsraum eingeschüttet.
5. Weitere Hinweise für küstennahe Bereiche geben relative Anhäufungen von Pflanzenresten bzw. Kohleflözchen, Einschwemmungen von Hydrargillit und das Auftreten von Evaporiten.
6. Gegen eine Untergliederung des ostalpinen Faziesraumes in "voralpin" für den Nordrand und in "hochalpin" für den Südrand der Nördlichen Kalkalpen spricht der Randfaziescharakter der südlichen Raibler Vorkommen. Zusätzlich bestehen fazielle Beziehungen der Raibler Vorkommen diesseits des Inn zu den Raibler Schichten der Kalkkögel (Stubaier Mesozoikum). "Untersuchungen über Stoffbestand, Bildungsbedingungen und Paläogeographie der Raibler Schichten zwischen Lech und Inn (Nördliche Kalkalpen)" war das Thema einer Dissertation (JERZ 1964), die von Herrn Professor Dr. P. SCHMIDT-THOME angeregt und am Institut für Geologie der Technischen Hochschule München durchgeführt wurde. Da eine Veröffentlichung der gesamten Arbeit vorbereitet wird, ist es möglich, sich auf einen Teil der paläogeographischen Ergebnisse zu beschränken. Den einzelnen Darstellungen liegen Raibler Spezialprofile zugrunde, die in dem Abschnitt der Nördlichen Kalkalpen aufgenommen wurden, der vom Kalkalpenrand im Norden, vom Lech im Westen und vom Inn im Süden und Osten begrenzt wird. Weitere interessante Vorkommen im Allgäu, in Vorarlberg, sowie südlich und östlich des Inn wurden in die Untersuchungen einbezogen. Die Aussagen stützen sich ferner auf sedimentpetrographische Ergebnisse und auf Faziesuntersuchungen.