Original paper

Zur Geologie der West-Ostalpen-Grenzzone in Vorarlberg und im Prätigau unter besonderer Berücksichtigung der tektonischen Lagebeziehungen

Oberhauser, Rudolf

Kurzfassung

Das Tal des Hochrheins südlich des Bodensees bietet einen umfassenden Einblick in die Geologie der West-Ostalpen-Grenze. Der Pfänder bei Bregenz ist geologisch der durch die letzte Alpenfaltung aufgestellte Südrand der ungefalteten Molasse mit einem aufsteigenden Profil vom marinen Burdigal zu Süßwasserserien des Helvet-Torton. Anschließend folgt bis Dornbirn das Molassebergland der gefalteten subalpinen Molasse mit marinem Rupel und limmnischem Chatt-Aquitan. Auffallend ist dabei, daß bei Dornbirn allerälteste Molasseanteile mit aufsteigendem Normalprofil und klastischen Basisserien dem alpinen Deckenbau und damit dem geologischen Alpenrand anliegen (W. RESCH, 1963). Ich sehe das als Argument für eine tektonisch stark überprägte mitteloligozäne Molassetransgression auf die helvetisch-penninischen Deckenstirnen nach einer ersten Deckeneinwicklung. Von Dornbirn nach Süden beginnt, durch höher werdende Berge beiderseits des Rheintales markiert, das helvetisch-penninische Deckenland, und zwar zunächst als Element mit der größten Nord-Süd-Aufschlußbreite - von Dornbirn bis ins Oberhalbstein ca. 100 km, bis zum Flysch-Maastrichtfundpunkt im Unterengadin ca. 80 km - der penninische Flysch. Darunter bricht zwischen Dornbirn und Feldkirch als nach Osten langsam schließendes Halbfenster das Helvetikum auf; darüber legt sich von Lichtenstein nach Osten als Rhätikongebirge das ostalpine Deckengebäude mit vorwiegend frühmesozoischen Sedimenten und Kristallin. Die tektonischen Hauptelemente: Helvetikum, Penninikum, Unter- und Oberostalpin sind in sich wieder in eindeutig faßbare Teildecken gegliedert: Das Helvetikum mit Sedimentationsabschluß im Hohen Eozän gliedert sich in Säntisdecke und Liebensteinerdecke oder Schuppenzone. Der Penninische Flysch zeigt teils Sedimentationsabschluß im tieferen Eozän in Feuerstätter Decke oder Wildflyschzone sowie im Prätigau- und Oberhalbsteiner Flysch, teils in der höchsten Oberkreide wie im Vorarlberger Flysch.