Original paper

Tektonische Probleme bei der Gliederung des Altkristallins der östlichen Zentralalpen

Pilger, Andreas; Weissenbach, Norbert

Kurzfassung

Die bisherige Gliederung der Stratigraphie und Metamorphose des ostkärntnersteirischen Kristallins, besonders der stärker metamorphen Teile, stützt sich auf eine beschränkte Anzahl älterer, grundlegender Arbeiten, wobei besonders die von F. ANGEL, F. HERITSCH und A. KIESLINGER genannt seien. In jüngerer Zeit haben u. a. K. METZ, P. BECK-MANNAGETTA und A. TURNER wichtige Beiträge zur Erforschung des Kristallins geliefert. Es darf aber nicht übersehen werden, daß weite Gebiete noch nicht durch eine moderne, kleinmaßstäbliche Kartierung erfaßt worden sind. So steckt dieser Raum auch heute noch voller Probleme, was die Stratigraphie, die Metamorphose und besonders die Tektonik betrifft. Bis vor kurzem standen sich, wie in so vielen Teilen der Ostalpen, zwei Lehrmeinungen gegenüber. Auf der einen Seite vertrat die mehr deduktiv arbeitende Grazer Schule (F. HERITSCH, R. SCHWINNER, K. METZ und deren Schüler) den autochthonen Charakter der östlichen Zentralalpen. Danach stellt dieses Gebiet eine Horstscholle dar, die in alpidischer Zeit zwar lokal geschuppt, im wesentlichen aber durch Bruchtektonik germanotyper Art zerstückelt sein sollte. Die mehr induktiv arbeitende Wiener Schule (bes. L. KOBER und Schüler) baute dagegen die Vorstellung von einem großzügigen Deckenbau aus. Durch neuere Forschungsergebnisse, wobei besonders der Nachweis der weiten Verbreitung von schwach metamorphen mesozoischen Gesteinen in zentralalpiner Fazies zu erwähnen wäre, erlangte diese Auffassung sicher einen hohen Grad der Wahrscheinlichkeit. In jüngster Zeit haben einerseits A. TOLLMANN (Wien), andererseits H. FLÜGEL (Graz) den Deckenbau herausgestellt. Die Diskussion geht heute weniger um das "Ob überhaupt", sondern um das "Wie" und über die Größenordnung. Nach A. TOLLMANN stellt das gesamte höher metamorphe Muralpen-Kristallin der östlichen Zentralalpen (vorwiegend Meso- und Katazonales) die mittelostalpine Einheit dar, die dem Unterostalpin (z. B. Radstädter Tauern) aufliegend selbst wieder von der oberostalpinen Gurktaler Decke überlagert wird. Die Existenz der Gurktaler Decke wird durch die schwach metamorphe Trias belegt, die am N- und W-Rand dieser Einheit eingeklemmt ist. Zu ähnlichen Ergebnissen und Vorstellungen kam auch H. FLÜGEL durch Studien im Grazer Paläozoikum.