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Leitende Strukturen am Nordostrand der Hohen Tauern

Schwan, W.

Kurzfassung

Zusammenfassung Durch systematische tektonische Strukturaufnahmen im Grenzbereich der nördlichen Hohen Tauern und der südlichen Radstädter Tauern wurde eine problematische Vielfalt tektonischer Formen und Richtungen festgestellt und analysiert. Es ergab sich, daß im Tauern-Pennin wie im umrahmenden, überlagernden Unterostalpin ± N-vergente liegende Falten und Schubflächen die Hauptgefüge darstellen, die somit - entsprechend der Einheitlichkeit und Intensität der N-Bewegung und der großräumigen Auflagerung älterer ostalpiner auf jüngeren penninischen Gesteinen - Deckenbau anzeigen. Diese Gefüge haben bei der Erkennung der Großtektonik leitenden Wert im Unterschied zu den abweichend vom Großbaucharakter gestalteten Nebenformen. Auch auf Grund dieser vorwiegend tektonischen Beobachtungen bestätigt sich das Tauernfenster erneut. Es ist als sehr großer, spät aufgestiegener penninischer Deckensattel anzusehen, der durch starke N-Bewegung in sich in kleinere Decken gegliedert und im ganzen durch größere ostalpine Decken überschoben worden ist. Phänomene und Probleme des Achsenpendelns liegender Falten und der wechselnden Bewegungsrichtungen einzelner Decken werden betrachtet, ferner Fragen der Deckenmechanik erwähnt und Anhaltspunkte für den Deckenbau im NE der Hohen Tauern genannt. Indikatoren orogener Beanspruchungen sind 1. Achsenrichtungen, sofern steilere Faltenmittelebenen vorliegen, und 2. vor allem verschiedene Gestaltungstypen. Verschiedene Querfalten lassen sich nach Art und Richtung unterscheiden. Der Erklärungswert der Leitstrukturen liegt darin, daß sie die tektonischen Großformen typenmäßig widerspiegeln - da sie dem gleichen Prägungsakt entstammen - und somit auch die Rückschlüsse auf die orogene Hauptbewegung zulassen, während Nebenstrukturen Anzeiger schwächerer Beanspruchungen sind. Alpen und variszisches Gebirge haben im wesentlichen verschiedene Bauprinzipien. Erstere sind vorwiegend durch Decken und liegende Falten charakterisiert, die z. T. nachträglich autochthon überformt wurden, letzteres durch schiefe Falten und Schuppen.