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Salzburger Marmor in der Kunst von zwei Jahrtausenden

Kieslinger, Alois

Kurzfassung

Eine umfangreiche Darstellung der nutzbaren Gesteine von Salzburg ist kürzlich erschienen. Der Vortrag behandelte an Hand vieler Farbbilder die Verwendungsgeschichte der Salzburger Marmore. Sehr viele wurden nur technisch verwendet, u. a. auch schon für römische Meilensteine. Für künstlerische Arbeiten wurden stets nur dichte polierbare Kalkgesteine genommen, die in der Praxis bekanntlich als Marmor bezeichnet werden. Verhältnismäßig wenig wurden Dachsteinkalke mit ihren schönen Querschnitten von Megalodonten als Ziermarmor verwendet. Wirklich maßgeblich, dies aber bis weit über die Landesgrenzen hinaus, verwendet wurden nur die rhätischen und liassischen Kalksteine von Adnet bei Hallein und die gelbweißen Gosau-Rudistenkalke vom Nordfuß des Untersberges, südlich von Salzburg. Die rhätischen Adneter Gesteine sind Korallenkalke, teils mit schön ausgebildeten Stöcken ("Lithodendron") in roten, grauen oder gelben Kalkschlamm eingebettet ("Tropfmarmore"), teils mit derben Korallenstöcken und vielen Spongien ("Urbano-Marmor"). Am Ende des Rhäts erfolgte teilweise Trockenlegung und tiefgreifende Verkarstung dieser Korallenriffe, dann die Überflutung durch die Liastransgression, mit Einschwemmung roten terrigenen Materials. Die durch ihren Reichtum an Ammoniten berühmten, vorwiegend rotbunten Knollenkalke zeigen eine reiche fazielle Differenzierung, mit sehr verschiedenen Farben, deren sich in abwechselnder Weise die jeweiligen Kunstrichtungen bedienten. Die Fazien greifen z. T. seitlich ineinander und sind am ehesten als eine Art Wattenschlick mit Prielen aufzufassen; weitgehende paradiagenetische Bewegungen haben das Bild im einzelnen bereichert. Besonders auffällig ist eine (nicht tektonisch, sondern durch Koagulation gebildete) Knollenbreccie, vorwiegend rotbraune Knollen in einer weißen Kalkspatfüllung, der berühmte Adneter "Rotscheck". Der oberjurassische, fast weiße Plassenkalk ist z. T. durch rote Kluftfüllung belebt und wurde deshalb von dem Barockbildhauer B. PERMOSER für seine Eccehomo-Darstellungen verwendet.