Original paper

Metamorphose und Verformung im Bos Dag-Gebirge (Rhodopen-Massiv, Griechisch-Makedonien)

Jordan, Heinz

Kurzfassung

Im vorliegenden Beitrag wird eine Übersicht über die metamorphen Serien gegeben, die das zum Rhodopen-Massiv gehörende Bos Dag-Gebirge aufbauen. Weiterhin wird in Form einer tektonischen Analyse abgeleitet, daß die Gewölbestruktur des Gebirges durch Überlagerung zweier Formungsakte entstand, und in welcher zeitlicher Beziehung diese zur Metamorphose des Kristallins stehen. In einer demnächst folgenden umfangreicheren Arbeit werden diese und weitere Ergebnisse der geologischen Bearbeitung des mittleren Bos Dag ausführlich erläutert werden. Über die Grundzüge des geologischen Baues des Bos Dag-Gebirges wurde bereits von W. MEYER & A. PILGER (mit Beiträgen von F. BIRK und H. JORDAN) 1963 berichtet. Danach bildet der Bos Dag ein großes Gewölbe mit WNW-ESE-streichender Längsachse, das aus metamorphen Schichten besteht. Diese lassen sich regional in eine Marmor-Folge im Liegenden und eine Obere Schiefergneis-Folge im Hangenden unterteilen und dürften der niedrigermetamorphen Serie M des bulgarischen Rhodopen-Anteils entsprechen. Die Abfolge der verschiedenen metamorphen Serien in dem vom Autor bearbeiteten mittleren Abschnitt des Bos Dag-Gebirges ist aus Abb. 1 zu ersehen. Bemerkenswert ist, wie stark sowohl die petrographische Zusammensetzung als auch die Mächtigkeiten der Gesteinsserien faziell wechseln. Hierbei können nur effektive (greifbare) Mächtigkeiten angegeben werden, da die wahre Mächtigkeit der ursprünglichen Sedimente, besonders der Karbonate, durch Gleitfaltung innerhalb der einzelnen Bänke verfälscht ist; die vorwiegend silikatischen Serien im Hangenden des Bos Dag-Marmors dürften in etwa noch die Mächtigkeiten der primären Sedimente besitzen. Der Bos Dag-Marmor, ein überwiegend weißer körniger Calcitmarmor, ist i. a. in dm-Abstand gebankt; im SE des untersuchten Gebietes treten dagegen ausgedehnte Partien von völlig ungebanktem Marmor auf, die mindestens z. T. auf Riffbildungen zurückgehen.