Original paper

Zur Tektonik der Krabachmasse und ihrer Umgebung (Lechtaler Alpen)

Koch, K. E.

Kurzfassung

Zusammenfassung Aufgrund einer eingehenden Neukartierung des Gebietes wird zu klären versucht, ob und inwieweit es möglich erscheint, die Krabachmasse, seit AMPFERER Paradebeispiel einer freischwimmenden Deckscholle, als eine durch "gebundene Tektonik" geprägte Einheit aufzufassen. Als Grundlage für die tektonische Bearbeitung diente eine intensive Überprüfung der Schichtenfolge des Gebietes (vgl. stratigraphische Tabelle), von der insbesondere folgende Ergebnisse von Wichtigkeit für das behandelte Problem zu sein scheinen: 1. Die Gesteine des Anis weisen in der Krabachmasse und in ihrer Umgebung die gleiche Fazies auf; die von AMPFERER als Beweis einer ortsfremden Fazies des Krabachmassen-Anis gewertete Vererzung des Muschelkalks ist metasomatischen Ursprungs und erfolgte erst nach dem Hauptakt der Gebirgsbildung. 2. Die auffällige Lage der Krabachmasse in bezug auf paläogeographische Einheiten: Gerade im Bereich der Krabachmasse bildet die Beckenfazies des Juras mit mächtig entwickelten Fleckenmergeln und Aptychenschichten eine im N, W und S von einer Schwelle eingerahmte Bucht. Diese Schwelle könnte ein "Widerlager" gegenüber der mobilen Serie gebildet haben, aus der die Krabachmasse emporgepreßt wurde. Die Neuaufnahme der tektonischen Bauelemente ergab folgendes: 1. Zerscherte Reste jurassisch-kretazischer Gesteine zwischen säumendem Hauptdolomit und den darunterliegenden Kreideschiefern könnten Reste eines inversen Mittelschenkels darstellen. 2. Umlaufendes Streichen der gemessenen und statistisch ermittelten Faltenachsen innerhalb der Krabachmasse. 3. Wechselnde Vergenz, sowohl innerhalb des säumenden Hauptdolomits als auch in der Krabachmasse i. e. S. 4. Analogien zu ähnlichen, rundum von jüngeren Schichten unterlagerten Trias-Vorkommen in den Lechtaler Alpen, die aufgrund neuerer Untersuchungen als durch "gebundene Tektonik" geprägte Strukturen gedeutet werden: Hasenfluh (STENGEL-RUTKOWSKI), Fallesin-Spitze (HUCKRIEDE), und im Zuge der Lärch-Spitze-Pimig-Spitze die Lärch-Spitze. Diese Tatsachen dürften die gewonnene Vorstellung "gebundener Tektonik" unterstützen. Das Resultat eines mit einfachen Mitteln durchgeführten tektonischen Experiments steht damit im Einklang.