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Tektonik und Halokinese am Schollenrand zwischen Hils- und Solling-Scholle

Herrmann, Axel; Hinze, Carsten; Stein, Volker

Kurzfassung

Im Verlauf wissenschaftlicher und gutachtlicher Untersuchungen des Zechsteins bei Stadtoldendorf (A. HERRMANN) sowie bei stratigraphischen Neubearbeitungen des Oberen Buntsandsteins (C. HINZE) und des Unteren Muschelkalkes (V. STEIN) fielen in diesem Raum tektonische Ergebnisse an, die geeignet erscheinen, Darstellung und Deutung des tektonischen Geschehens im Zentralteil der Elfas-Achse (Homburgwald) und in deren südwestlichem Vorland erneut zum Gegenstand wissenschaftlicher Erörterung zu machen. Während GRUPE (1901-1908) als erster Bearbeiter dieses Gebietes eine horstförmige Aufpressung des Präsalinars annahm, gelangte BRINCKMEIER (1933, 1934) zu der Vorstellung einer "Überschiebung" des Zechsteinsalinars und des überlagernden Buntsandsteins mit nahezu flach liegender Überschiebungsbahn auf höchstem Mittlerem Buntsandstein, verursacht durch das "Aneinandervorbeigleiten" der Hils- und der Solling-Scholle entlang einer Blattverschiebung im Subsalinar. Durch eine Art Hebelmechanismus sollte dadurch die Überschiebung im Deckgebirge ausgelöst werden, begünstigt durch die nur lose "Koppelung" des Deckgebirges mit dem Untergrund durch das Zechsteinsalinar. Bereits der Nachweis von Werra-Anhydrit (Zechstein 1) im Stadtoldendorfer Zechstein (G. RICHTER-BERNBURG 1955) ließ Zweifel an der Deutung BRINCKMEIERS aufkommen. Im Verlauf der daraufhin durchgeführten Detailuntersuchungen wurden mehrere voneinander getrennte Schollen beobachtet, die außer Werra-Anhydrit offensichtlich auch Staßfurt-Karbonat und Basal-Anhydrit (Zechstein 2) enthalten und - wie durch eine Reihe von Bohrungen erwiesen - auf Mittlerem Buntsandstein bzw. allertiefstem Oberem Buntsandstein (= Röt) liegen (vgl. Abb. 1). Neben diesem im folgenden als "prächloridischer Zechstein" bezeichneten Schichtverband (Werra-Anhydrit, Staßfurt-Karbonat, Basal-Anhydrit) sind auch Grauer Salzton und Hauptanhydrit des Zechstein 3 sowie Roter Salzton des Zechstein 4 ("intrachloridischer Zechstein") weit verbreitet. Im gut aufgeschlossenen Steinbruchsgebiet nördlich Stadtoldendorf ist eine deutliche Verfaltung des intrachloridischen, teilweise auch des prächloridischen Zechsteins zu beobachten (Abb. 1, Mitte).