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Glen Canyon-Damm und Lake Powell

Wiegel, Egon

Kurzfassung

Über den Colorado, einem Fluß von der Länge der Donau, mit einem Einzugsgebiet von der zweieinhalbfachen Größe der Bundesrepublik oder 1/12 der Vereinigten Staaten, ist in Europa wenig bekannt. Im Gegensatz zu anderen Flüssen und Strömen hat der Colorado einer Erschließung des Landes lange im Wege gestanden. Der größte Teil des Niederschlagsgebietes ist semiarid bis arid und wird von Grassteppen, Steppen und Wüsten eingenommen. Der Jahresniederschlag beträgt überwiegend weniger als 250 mm. Dazu kommt, daß das Tal des Colorado zwischen dem San Juan River und dem Black Canyon eine bis 1600 m tiefe, schwer zugängliche Schlucht bildet. Außerdem führt der Fluß im Frühjahr oft verheerende Fluten mit bis 8400 m3/s (= rd. 73 hm3/Tag). Bei dem folgenden Niedrigwasser geht die Wassermenge häufig auf 90 m3/s zurück. Die durch den Colorado mitgeschleppten riesigen Schwebstoffmengen betragen im Mittel 400 000 t/Tag. Aus diesen Gründen ist der Colorado nur auf 500 km, also rd. 17% seiner Länge, im Unterlauf schiffbar. Zum Vergleich sei erwähnt, daß die nur 50 km kürzere Donau auf rd. 90% ihrer Länge schiffbar ist. Die Bevölkerungsdichte im Einzugsgebiet ist mit 1 bis 2 Einwohner je km2 gering. Keine Stadt am Colorado hat mehr als 15 000 Einwohner. Die eigentliche Erforschung des Einzugsgebietes liegt noch keine hundert Jahre zurück, obgleich die spanischen Konquistadoren und Missionare den Fluß schon vor vier Jahrhunderten an verschiedenen Stellen gesehen haben. Sie beginnt 1869 mit der wagemutigen Expedition Major JOHN WESLEY POWELL'S, des späteren Direktors vom U.S. Geological Survey, der mit wenigen Begleitern die schwierigste, rd. 1600 km lange Strecke zwischen dem Green River und dem Boulder Canyon mit kleinen Booten befuhr und das schlecht zugängliche Land beiderseits des Stromes topographisch und geologisch aufnahm.