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Über die Fortsetzung rheinisch streichender Schollengrenzen aus dem Harzvorland in den Harz

Mohr, Kurt; Pilger, Andreas

Kurzfassung

Zusammenfassung Die das subherzyne Becken durchsetzenden großen Störungen, die als Schollengrenzen im Mesozoikum angesehen werden, konnten bisher nicht in das Harzvariszikum hinein verfolgt werden. Man ließ sie am Harzrande enden. Nur ROLL vermutet eine vom Schimmerwald gegen den Brockengranit vorstoßende Störung. Im Gosetal fanden wir in der Fortsetzung der vom Südostende des Salzgitterer Höhenzuges gegen Goslar streichenden Immenroder Störung Zonen mit angereicherten Störungen sowie verstellten Schichtflächen und B-Achsen. Hier lenken die normalen 45° bis 60° streichenden B-Achsen des Harzvariszikums in rheinisches Streichen ein (Taf. 11). Die gestörten Bereiche mit rheinischem Streichen ordnen sich in Fiedern auf einer 20° bis 30° streichenden Zone an, was tektonisch-gefügekundlich zu unterbauen ist. Die Gesamtheit der Fiedern verkörpern das Gosetal-Lineament bzw. die Fortsetzung der Schollen-Grenze aus dem Harzvorland. In den beiden vorliegenden Stockwerken des Mesozoikums und Variszikums zeigt sich eine verschiedenartige tektonische Ausgestaltung des durch beide Stockwerke durchsetzenden Gosetal-Lineamentes. Das Lineament war am Salzgitterer Sattel und am Harly vor und auch nach der Kreide in tektonischer Bewegung. Die engen gefügekundlichen Beziehungen zu den Oberharzer Erzgängen lassen vermuten, daß Erzgänge und Fiedern gleichzeitig aufgerissen und beide variszisch angelegt sind. Möglicherweise ist das Lineament aber noch älter, zumal auf seiner Bahn das mitteldevonische Rammelsberger Lager liegt. Ob noch im Jungtertiär Bewegungen am Gosetal-Lineament vor sich gegangen sind, ist aus der Lage der jungtertiären Verebnungsflächen vorerst noch nicht sicher zu sagen. Die jüngste Morphologie der Talbildung richtet sich deutlich nach der Lage der Fiedern im Gosetal-Lineament.