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Zur Geologie des Südrandes der nördlichen Kalkalpen zwischen Schnann und Arlberg (Lechtaler Alpen)

Fellerer, R.

Kurzfassung

Zusammenfassung Es werden die tektonischen Beziehungen zwischen Kalkalpin und Metamorphikum, der kalkalpine Schichtbestand, insbesondere die Gesteine des Permoskyths sowie deren tektonische Strukturen untersucht. Die geologische Karte erfährt durch die Neukartierung zum Teil erhebliche Berichtigungen und Verbesserungen. So werden die neogenen Ablagerungen (Moränen, Schuttkegel usw.) strukturell auskartiert. Plattenkalk und tuvalischer Grenzkalk werden mit einer eigenen Signatur ausgeschieden; ebenso werden die Arlbergschichten gegen den Wettersteinkalk abgegrenzt. Teile des "Wettersteinkalkes" der AMPFERER'schen Karte (1932) werden teils ins Anis gestellt, teils zu den Partnachschichten oder Raibler Schichten gerechnet. Epidot-Amphibolit-Schiefer im Quarzphyllit, Jurakonglomerate und Aptychenkalk im Liegenden der Kreideschiefer wurden neu aufgefunden. Eine Identität des Stanzertal-Quarzphyllits mit dem "Innsbrucker Quarzphyllit" wird angezweifelt. Zumindest das höchste Niveau, vor allem der Kern des Nessleralm-Sattels, dürfte höher metamorphes Paläozoikum sein. Die permoskythischen Basalbildungen der Lechtaler Alpen werden von einer nach S zunehmenden Metamorphose erfaßt, welche Jünger als die Haupttektonik ist. Diese tertiäre Regionalmetamorphose hat vermutlich die Grauwackenzone zum Teil aufgeschmolzen und unter das Silvrettakristallin abgeführt. Der Geröllbestand der Basiskonglomerate läßt auf kristalline Schiefer als Ausgangsgesteine schließen. Die sogenannten "violetten und grünen Phyllite", bisher als eingeschuppte Geologie des Südrandes der nördlichen Kalkalpen zwischen Schnann und Arlberg 833 Reste der Grauwackenzone betrachtet, sind Schichtglieder des Permoskyth. Übergänge von Sandstein zu Tonschiefer und Tonschiefer zu Phyllit konnten im Gelände und im Dünnschliff nachgewiesen werden. Es werden die ersten vollständigen Detailprofile durch die Grenzzone Quarzphyllit/Permoskyth, Illyr/Ladin, durch Ladin, Karn und Kreide gegeben, wobei die bisher wenig beschriebenen ladinischen Arlbergschichten eingehender behandelt sind (siehe FELLERER 1964). In ihnen wurden Anzeichen für einen ladinischen Vulkanismus gefunden. Innerhalb des Permoskyth kann eine Spezialtektonik festgestellt und in Einzelstrukturen aufgelöst werden. Die Grenze zum Metamorphikum ist ein tiefgreifendes tektonisches Lineament, in dessen Bereich große Gesteinsmassen nach unten verschwunden sind. Die Annahme eines flachen Deckenanschubs über das Kristallin aus S läßt sich mit dem Geländebefund nicht vereinbaren. Die tektonischen Strukturen konnten zum überwiegenden Teil in drei zeitlich getrennte Beanspruchungspläne aufgelöst werden.