Original paper

Über die Nusplinger Fazies des Weißen Jura der Schwäbischen Alb (Württemberg)

Temmler, Helmut

Kurzfassung

Zusammenfassung Das unterschiedliche Wachstum der riffbildenden Organismen seit Beginn des Weißen Jura führte zur Ausbildung eines differenzierten submarinen Reliefs mit aufragenden Riffkomplexen und tiefen, oft kesselartigen Hohlformen im Bereich des offenen Schelfs bei Meerestiefen um 100-200 m. In diesem Gebiet erreichten subaquatische Sedimentumlagerungen ein beträchtliches Ausmaß. An steilen Riffböschungen abgeglittene Massen wurden bei der Bewegung teilweise oder vollständig aufgewirbelt und resedimentiert. In den engbegrenzten Schüsseln kommen Abhang- und Beckensedimente in typischer Ausbildung über- und nebeneinander vor, die ersteren als verfestigte, ehemals zähflüssige Schlammströme bzw. als Gleitpakete mit im Verband erhaltenen Schichten, die zweiten hauptsächlich in Form von Turbiditen i. e. S. und mm-Kalkrhythmiten. Sie alle verzahnen sich im ganzen Schüsselbereich seitlich mit Riffgesteinen. Die Nusplinger Schieferkalke zeichnen sich durch einen periodischen Wechsel sehr feinkörniger dunkler Lagen und hellerer, feindetritusführender Zonen im mm-Bereich aus. Als Bildungsursache wird eine vielfach wiederholte Überlagerung der ± gleichmäßigen physikochemischen bis biogenen Kalkfällung durch feinste Restfraktionen mobiler Trübeströme vermutet. Die ausgezeichnete Bänderung der Nusplinger Schieferkalke im Feinbereich weist auf "Stillwasserbedingungen" im Ablagerungsraum dieser Kalke hin, die im Weißjurameer Südwestdeutschlands nur örtlich verwirklicht waren. Neuerdings fanden sich auf der Schwäbischen Alb in allen Stufen des Malms kleine Vorkommen von Kalkrhythmiten, häufig mit Einschlüssen resedimentärer Breccien, die der "Nusplinger Fazies" eine über das Lokale hinausgehende Bedeutung verleihen. Sie findet sowohl nach ihrem petrographischen Inhalt wie nach ihrer Entstehung unter den bisher bekannten rezenten wie fossilen Gesteinsverbänden keine Parallele und unterscheidet sich besonders grundlegend von den etwa gleichaltrigen Bildungen von Solnhofen, Cerin und der Sierra del Montsech.

Abstract

During the upper jurassic period reefbuilding organisms caused - due to their different rate of growth mainly - the development of a differentiated submarine relief in the open shelf region at a depth of 100-200 m roughly. Towering reefs and deep sometimes little shaped troughs can be observed. Submarine sedimentation is quite substantial and complex. Sediments sliding down the steep flanks of a reef were partially or completely whirled up and deeper down redeposited. Rocks of slope-facies - slide-masses and non-graded fluxoturbidites mainly - are found intimate interfingering with graded turbidites and mm-calcirhythmites of the basin-facies and rocks of the reef in the entire trough area. The calcareous shale of Nusplingen shows a periodic change of very fine grained dark layers and light coloured sheets with fine detritus, spicules and rhaxes. The origin of the sequence within the mm-range can be explained as inorganic-organic formed lime-mud, periodically overlain by the siltitic-lutitic fraction of mobile turbidity currents. Lamination and absence of benthos indicate "stillwater conditions" in some basins. With regard to geological position and petrography, the rhythmites of Nusplingen differ extraordinary from the lithographic limestones of Solnhofen, Cerin and Sierra del Montsech.