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Karl Andrée zum Gedenken

v. Prosch, Erich

Kurzfassung

Am 18. August 1959 verstarb in Göttingen in seinem 80. Lebensjahr Prof. Dr. phil. KARL ANDRÉE, der langjährige Direktor des Geologisch-paläohtologischen Instituts der ostpreußischen Albertus-Universität in Königsberg. Mit ihm verließ uns ein Gelehrter im guten alten Sinne dieses Wortes, der sowohl in seiner wissenschaftlichen Tätigkeit ungemein vielseitig als auch im persönlichmenschlichen Bereich allgemein beliebt und geachtet war. KARL ANDRÉE wurde am 10. März 1880 in Bad Münder am Deister als Sohn des Apothekers ADOLF ANDRÉE geboren. Im Alter von 7 Jahren kam er in die Landeshauptstadt Hannover, wo er die Schule besuchte und Ostern 1898 am Lyceum I, dem späteren Ratsgymnasium, die Reifeprüfung bestand. Durch den Beruf seines Vaters zum Studium der Naturwissenschaften angeregt, hörte er an der Technischen Hochschule in Hannover zwei Semester Chemie, entdeckte aber dabei seine Liebe zur Geologie, der er sein weiteres Leben widmen sollte. Er siedelte 1899 zur Universität Göttingen über und interessierte sich hier anfangs - von der Chemie herkommend - vorwiegend für Mineralogie, wandte sich aber unter dem Einfluß von ADOLF VON KOENEN mehr und mehr der Geologie und Paläontologie zu. Am 22. September 1904 erfolgte seine Promotion zum Dr. phil. mit einer durch VON KOENEN angeregten Dissertation "Der Teutoburger Wald bei Iburg". In den folgenden fünf Jahren arbeitete ANDRÉE als Assistent bei ALFRED BERGEAT an der Bergakademie Clausthal bzw. unter W. PAULCKE an der Technischen Hochschule in Karlsruhe. Bald nach Beginn seiner Assistententätigkeit verheiratete er sich mit HELENE, geb. RATHKAMP, die ihm in den folgenden Jahren einer glücklichen Ehe zwei Söhne und zwei Töchter schenkte und ihm über zwei Jahrzehnte lang eine treusorgende und liebevolle Lebenskameradin war. 1910 ging ANDRÉE nach Marburg, wo er sich mit einer rein paläontologischen Arbeit habilitierte; in seiner Probe- und seiner Antrittsvorlesung behandelte er aber schon Fragen der Sedimentologie und der Ozeanographie, Probleme, deren Erforschung er sich später hauptsächlich widmete. Bis Anfang 1915 blieb er als Privatdozent bei EMANUEL KAYSER. Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit stellte er hier die KAYSERSche Schausammlung für Allgemeine und Dynamische Geologie nach eigenen Gesichtspunkten neu auf. Durch die Teilnahme am 12. Internationalen Geologenkongreß in Toronto, Kanada, im Sommer 1913, konnte er seinen Gesichtskreis wesentlich erweitern.